Sarrazin kritisiert Hartz-IV-Empfänger: "Kinder soll kriegen, wer damit fertig wird"
zuletzt aktualisiert: 13.05.2009 - 18:59Frankfurt/Main (RPO). Sozialleistungen sollen nicht dazu führen, dass Kinder zu bekommen lukrativ wird, sagte der neue Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. "Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden", so Sarrazin. Ein Sprecher der Bundesbank erklärte, diese Aussagen gäben nicht die Position des Instituts wieder.
Das Sozialsystem müsse so geändert werden, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist", sagte der frühere Berliner Finanzsenator dem Magazin "Stern" zufolge. Er widersprach der Auffassung, dass Kinder ein Armutsrisiko seien. "Es ist ein totaler Unterschied, ob ich sage, du bist arm, weil du Kinder hast, oder ob ich sage, du hast in deinem Leben Probleme und du hast zwei, drei oder mehr Kinder, obwohl du nicht das Umfeld oder die persönlichen Eigenschaften hast, um die Erziehung zu bewältigen", sagte er.
Erneut Kritik an Energie-Verbrauch von Hartz-IV-Empfängern
Thilo Sarrazin war in seiner Zeit als Finanzsenator in Berlin bereits in die Kritik geraten, weil er Hartz-IV-Empfängern angesichts gestiegener Energiekosten riet, einfach in der Wohnung einen dicken Pullover zu tragen. Jetzt kritisierte er erneut den Umgang vieler Hartz-IV-Empfänger mit Energie.
Weil Städte und Gemeinden die Heizkosten übernähmen, gingen die Bedürftigen oft verschwenderisch mit Energie um. "Hartz-IV-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster", erklärte Sarrazin dem "Stern" zufolge.
Künftigen Rentnern sagte er niedrigere Altersbezüge voraus. "Langfristig müssen die Renten natürlich real fallen." Gegenwärtig komme auf einen Arbeitnehmer statistisch gesehen ein halber Rentner, in 25 bis 35 Jahren liege das Verhältnis bei eins zu eins. "Wir können die Erwerbstätigen aber nicht ohne Ende belasten", sagte Sarrazin. Er warb für mehr private Altersvorsorge. Dabei solle der Bürger vor allem auf sichere Anlagen wie Bundesanleihen setzen und sich nicht von den Versprechungen der Geldinstitute blenden lassen. "Man muss den Leuten sagen: Glaube keinem Bankberater", sagte Sarrazin, der das Interview kurz vor seinem Wechsel zur Bundesbank gab.
Die Politik müsse gewisse Werte vermitteln, forderte Sarrazin. Alle, die im Staat Verantwortung trügen, müssten ins gesellschaftliche Klima investieren: "Je weniger intelligent, je weniger gebildet, je unreflektierter ein Mensch ist, desto mehr ist für ihn das gesellschaftliche Klima wichtig."
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