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Kinderarmut in Deutschland
Es ist Geld da – es wird aber falsch verteilt

Kinderarmut: Es ist Geld da – es wird aber falsch verteilt
Die Zahl der Kinder, die von Hartz-IV abhängig sind, steigt wieder. FOTO: dpa, ppl;cse dbo lof
Meinung | Düsseldorf. Es sind schlechte Nachrichten zum Kindertag: Hunderttausende Kinder sind von Hartz IV abhängig - in Bremen und Berlin sogar fast jedes dritte. Diese Zahlen sind beschämend. Auch weil die Politik Fehler macht. Von Kirsten Bialdiga

Hamburg zählt in Deutschland zu den Städten mit den meisten Millionären. Hamburg zählt in Deutschland aber auch zu den Städten mit den meisten Kindern, die von Hartz IV leben müssen – jedes fünfte Kind in der Hansestadt gilt laut Bundesagentur für Arbeit als arm.

Diese Nachricht zum Internationalen Kindertag ist beschämend, denn das Beispiel zeigt deutlich, dass eigentlich genug Geld vorhanden ist, und zwar nicht nur in Hamburg. Dass dieses Geld aber zunehmend ungleich verteilt ist. Das rot-grün regierte Nordrhein-Westfalen macht da keine Ausnahme: Jedes fünfte Kind unter 15 ist in NRW von Hartz IV abhängig. Damit waren im Dezember 2015 hierzulande knapp 435.500 unter 15-Jährige betroffen. Das waren sage und schreibe 3,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die wachsende Kinderarmut trotz guter Konjunkturlage wirft ein Schlaglicht darauf, wie weit die Schere zwischen Arm und Reich im Land inzwischen auseinander geht. In keinem Land der Eurozone sind einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge die Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland: Das reichste Prozent der Bevölkerung verfügte 2014 über ein Vermögen von mindestens 800.000 Euro pro Person. Gut ein Fünftel aller Erwachsenen in Deutschland hingegen hat gar kein Vermögen.

Dafür, dass überhaupt genug Verteilungsmasse zur Verfügung steht, ist die Wirtschaftspolitik zuständig. Wenn der Wohlstand insgesamt steigt, profitieren auch die Kinder. Wenn die Eltern gut bezahlte Jobs finden können, dann geht es auch den Kindern besser. Daher überrascht es kaum, dass in Bayern die Zahl der von Hartz-IV abhängigen Kinder mit 6,5 Prozent am geringsten ist.

Wer also wirklich etwas gegen Kinderarmut tun will, muss zuallererst für eine wirksame Beschäftigungs- und Strukturpolitik sorgen. Und sich dann darum kümmern, dass das erwirtschaftete Vermögen durch eine ausgewogenere Steuerpolitik gerechter verteilt wird. Damit wäre den Kindern am meisten geholfen.  

 

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