Fall Tauss: Kinderpornografie-Vorwürfe erhärten sich
zuletzt aktualisiert: 14.03.2009 - 13:46München (RPO). Der SPD-Politiker Jörg Tauss wird mit einer neuen Aussage im Fall "Kinderpornografie" schwer belastet. Der wegen Kinderpornografie-Verdachts in Bremerhaven verhaftete Sascha H. hat laut einem Medienbericht gestanden, Postsendungen mit kinderpornografischem Inhalt an einen "Werner" geschickt zu haben.
Mit diesem Vornamen habe sich Tauss in SMS-Nachrichten genannt, schreibt das Magazin. Der SPD-Politiker soll nach Aussage des 29-Jährigen insgesamt "mehr als 1000 Euro" für die Kinderpornos gezahlt haben. In der Bremerhavener Wohnung von H. stellten Ermittlungsbeamte dem Bericht zufolge umfangreiches Material sicher, unter anderem einen Briefumschlag, in dem Tauss ihm Geld geschickt hatte. Auf einem Zettel hatte der Politiker seine Berliner Wohnung als Lieferadresse angegeben.
Tauss hatte am Mittwoch eingeräumt, einschlägiges Material aus Bremerhaven erhalten zu haben. Er sei aber kein Pädophiler. Er habe in der Szene recherchiert, um einen Kinderpornoring aufzudecken. H.s Anwalt Thomas Domanski sagte dem Magazin: "Wenn Tauss sich jetzt als Opfer darstellt, entspricht das nicht dem Stand der Ermittlungen." Diese Darstellung sei "abenteuerlich".
Druck in der SPD
Die baden-württembergische SPD erhöht den Druck auf den unter Kinderpornografie-Verdacht stehenden Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss. Landesvorsitzende Ute Vogt sagte am Samstag in Stuttgart, es müsse vor Ostern über das weitere politische Schicksal von Tauss entschieden werden. "Wir erwarten, dass die Staatsanwaltschaft zügig arbeitet." Es sei völlig klar, dass man nicht ewig zuwarten könne. Es sei sicherlich schwierig, wenn es zu einer Anklage komme.
Tauss, der seit 1994 im Bundestag sitzt, ist auf der SPD-Landesliste für die Wahl im September auf Platz sieben nominiert. Vogt sagte, man müsse Tauss die Chance auf ein faires Verfahren geben. "Er hat einen schweren Fehler gemacht." Durch seinen Rücktritt als Landesgeneralsekretär und die Abgabe seiner Ämter in der Bundestagsfraktion in Berlin habe er die Partei entlastet.
Zum kommissarischen Nachfolger von Tauss im Amt des Landesgeneralsekretärs bestimmte der Vorstand bei seiner Sitzung den 36-jährigen Bundestagsabgeordneten Peter Friedrich, wie Vogt berichtete. Seine Hauptaufgabe werde die Organisation der Wahlkämpfe für Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl sein. Der Abgeordnete aus Konstanz soll beim Parteitag der Sozialdemokraten im November dann formal gewählt werden.
Vogt sagte, es habe auch einen Kandidaten für den Posten aus der Landtagsfraktion gegeben. Friedrich war unter anderem Landesvorsitzender der Jusos in Baden-Württemberg und ist seit 2005 Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Konstanz. Der Vater von zwei Kindern ist gelernter Verwaltungswissenschaftler und Sprecher der jungen Abgeordneten der SPD-Bundestagsfraktion, der sogenannten Youngsters. Im SPD-Landesvorstand votierten elf Mitglieder für den 36-Jährigen, fünf waren gegen ihn und ein Mitglied enthielt sich.
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