| 07.07 Uhr

Abstimmung am Freitag
Kirchen uneins über Ehe für alle

"Ehe für alle": "Merkel überrascht erneut Freund und Feind"
"Ehe für alle": "Merkel überrascht erneut Freund und Feind" FOTO: dpa
Berlin. Die katholische Kirche ist gegen die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare, die evangelische Kirche befürwortet sie. Am Freitag soll der Bundestag abstimmen – eine Mehrheit für die Ehe für alle gilt als sicher. Von Jan Drebes, Eva Quadbeck und Lothar Schröder

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat die bevorstehende Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare kritisiert. Die Ehe sei – nicht nur aus christlicher Überzeugung – "die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann", heißt es in einer Mitteilung der Bischöfe. "Wir bedauern, wenn dieser Ehebegriff aufgelöst werden soll und damit die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen."

Deutlicher kritisierte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp das Vorhaben als "wahlkampftaktisches Manöver". Die Ehe stehe unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes, weil sie ein "auf Dauer angelegtes partnerschaftliches Vertrauensverhältnis und zugleich der Ort ist, neues Leben zu stiften", sagte er unserer Redaktion. So sei die Ehe die "Basis für den Fortbestand unserer Gesellschaft" und dürfe "nicht als Gütesiegel für die Qualität einer Partnerschaft missverstanden werden. ,Ehe für alle' wäre daher ein Widerspruch in sich."

"Sie wird noch einmal unterstrichen"

Völlig anders positioniert sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). "Dass auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden, begrüßt die EKD", hieß es in einer Stellungnahme. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau schmälere das nicht: "Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen."

Die Bundestagssitzung soll am Freitag bereits um 8 Uhr beginnen. SPD, Grüne und Linke wollen die Abstimmung gegen die Union durchsetzen. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Christine Lambrecht, verordnete ihren Leuten eine "absolute Präsenzpflicht". "Wir haben gemeinsam mit Grünen und Linken nur zehn Stimmen Vorsprung vor der Union", schreibt sie in einem Brief an die Abgeordneten: "Wer nicht präsent ist, riskiert, dass es keine Debatte und Verabschiedung gibt."

Die SPD will zudem namentliche Abstimmung beantragen. Damit wird öffentlich, wie sich welcher Abgeordnete entschieden hat. Die Unionsfraktion wird ihren Leuten die Abstimmung freigeben – es gibt keinen Fraktionszwang, jeder Parlamentarier kann nach seiner persönlichen Überzeugung stimmen.

Hintergrund: In diesen Ländern gibt es die Homo-Ehe FOTO: afp, DM

"Testfall für Rot-Rot-Grün"

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sieht in der Abstimmung einen "Testfall für Rot-Rot-Grün". Er warf den Sozialdemokraten vor, "nicht vertragstreu" zu sein und mit Grünen und Linken zu paktieren. Die linke Mehrheit im Bundestag werde von der SPD schamlos gegen die Stimmen der Union ausgenutzt.

Nachdem Kanzlerin Angela Merkel sich offen für eine "Gewissensentscheidung" gezeigt hatte, betrieb die SPD eine Abstimmung noch in dieser letzten Sitzungswoche der Wahlperiode. Merkel wollte eine Entscheidung erst nach der Bundestagswahl. In der "Wirtschaftswoche" kritisierte sie das Vorgehen der SPD als "traurig": "Mir ist es fremd, wie eine solche Entscheidung genau in dem Moment, als sich die realistische Aussicht auf ein fraktionsübergreifendes Vorgehen ergab, in eine parteipolitische Auseinandersetzung gezogen wurde."

Quelle: RP
 
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