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G-8-Gipfel: Klimaschutz - den Worten müssen Taten folgen

zuletzt aktualisiert: 08.06.2007 - 11:29
Heiligendamm (RPO). Die große Hoffnung der Umweltschützer wurde enttäuscht. Der G-8-Gipfel konnte sich nicht auf feste Obergrenzen für den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid einigen. Es blieb – ähnlich wie vor zwei Jahren in Schottland – bei einer Absichtserklärung. Die Bewertungen des Kompromisses klaffen weit auseinander: heiße Luft oder historische Kehrtwende. Wer Recht behält, wird sich erst im Dezember zeigen. Dann wird in Bali über die Nachfolge des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto beraten.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel kommentierte die Einigung naturgemäß mit großen Worten. „Wir sind in Heiligendamm Zeugen einer Kehrtwende in der amerikanischen Haltung geworden", sagte er. Die USA hätten sich dem internationalen Klimaschutzprozess sechs Jahre lang völlig verweigert. "Jetzt bekennen sie sich ausdrücklich dazu", betonte Gabriel. Diese verbale Ankündigung der USA wird gern als Erfolg des Gipfels gefeiert.

Sie ist aber noch viel mehr ein Erfolg der US-Amerikaner selbst. Deshalb ist Achim Steiner, Chef der Umweltbehörde der Vereinten Nationen UNEP, zuversichtlich, dass die Beschlüsse von Heiligendamm bei den anstehenden Verhandlungen auch umgesetzt werden. „In allen Teilen der Welt befassen sich die Menschen mit der drohenden Klimakatastrophe. Wir haben einen Bewusstseinsbildungsprozess erlebt, wie es sich keiner vor einigen Jahren erträumt hätte", sagte Steiner.

Seine Schlussfolgerung: Politiker sähen, dass sie politisch in eine "Problemzone" geraten, wenn sie nicht handeln. Auch US-Präsident George W. Bush habe in Heiligendamm die Kehrtwende im Klimaschutz "ja nicht unbedingt freiwillig" vollzogen. Vielmehr sei dies "letztendlich Ergebnis einer ganzen Bewegung in den USA".

Im Klimaschutz sind die USA längst gespalten – abseits der Verweigerungshaltung von US-Präsident George W. Bush haben zahlreiche Bürgermeister und Gouverneure der Bundesstaaten eine andere Strategie gewählt. Sie wollen die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid senken und haben sich dafür eigene Ziele gesteckt. Der ehemalige US-Vize-Präsident Al Gore erhielt für seinen in den US-Kinos sehr erfolgreichen Dokumentarfilm zum Klimawandel den Oscar. 

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Auch Angela Merkels klimapolitischer Berater Hans Joachim Schellnhuber lobt die Einigung. Der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung bewegt sich dabei in einer schwierigen Situation. Als Wissenschaftler hatte er in den vergangenen Jahren mehrfach angemahnt, dass die Politik zu viel Zeit zum Handeln verstreichen lasse. "Höchstens 15 Jahre bleiben noch, um auf den beginnenden Klimawandel effektiv zu reagieren", sagte Schellnhuber - vor drei Jahren.

Die Einigung der G-8 sei bei „allen Unzulänglichkeiten ein Sieg der Vernunft in letzter Minute“. Endlich sei die Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen in die Sphäre der Weltpolitik eingedrungen. „In der Vereinbarung heißt es, eine Verringerung der Emissionen um mindestens 50 Prozent müsse ernsthaft erwogen werden“, kommentiert Schellnhuber, Nun sei es an der EU dran zu bleiben und belastbare Fakten zu schaffen. „Wir haben uns bis auf den Elfmeterpunkt vorgedribbelt, jetzt muss der Ball nur noch im Tor versenkt werden", sagte Schellnhuber.

Gerade dort liegt aber das Problem: Was die Einigung des G-8-Gipfels taugt, wird sich bei den nächsten Verhandlungen zur Nachfolge des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz im Dezember in Bali zeigen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), sagte, es bestehe weiter die Gefahr, dass die USA oder andere Staaten wieder ausscheren könnten. Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast meint: "In Wahrheit steckt nichts drin. Und ich fürchte, dass der Kyoto-Prozess im Dezember deshalb nicht weitergehen wird."


 
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