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Sitzung des Zentralrats der Juden in Deutschland
  Foto: ddp, ddp
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Zentralrat der Juden: Knobloch verzichtet auf weitere Amtszeit

zuletzt aktualisiert: 07.02.2010 - 15:11

Frankfurt (RPO). Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, verzichtet auf eine weitere Amtszeit. Das erklärte die 77-Jährige am Sonntag auf einer Direktoriumssitzung des Gremiums in Frankfurt am Main. Das Direktorium und das Präsidium des Zentralrats sprachen Knobloch das volle und uneingeschränkte Vertrauen aus.

"Mit Respekt und Anerkennung" hätten die beiden Gremien zur Kenntnis genommen, dass die Präsidentin bewusst einen Generationswechsel herbeiführen wolle, den sie aktiv unterstützen und begleiten werde. In einer Presseerklärung hieß es weiter, es herrsche Übereinstimmung, dass die Präsidentin ihr Amt bis zum Ende der Wahlperiode ausüben werde.

Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt hatte Knobloch zuvor in einem Beitrag für die Samstagausgabe der "Süddeutschen Zeitung" eine Absage erteilt. Darin machte sie deutlich, dass sie ihre bis Herbst laufende Amtszeit ungeachtet aufgekommener Kritik zu Ende führen will.

Info

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist die oberste Vertretung der über 100.000 Menschen jüdischen Glaubens in der Bundesrepublik. Er wurde 1950 als Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und ihrer Landesverbände gegründet. Sein Sitz war lange Jahre in Bonn, bis er 1999 nach Berlin-Mitte in das Leo-Baeck-Haus verlegt wurde. Dort hatte sich von 1872 bis 1942 das Haus der Wissenschaft des Judentums befunden.

In dem Zeitungsbeitrag schrieb Knobloch, gerade als Zeugin der Gräuel der Naziherrschaft mache sie ihre Aufgabe als Präsidentin des Zentralrats "glücklich". Sie gebe ihr Kraft, dafür zu arbeiten, "dass jüdisches Leben in unserem gebrochenen Land wieder gelingen kann." Knobloch fügte hinzu, dafür wolle sie ihre Energie in den nächsten Jahren verwenden - "auch während meiner Amtszeit an der Spitze des Zentralrats."

Knobloch appelliert an Verantwortung aller

Weiter mahnte die Präsidentin an, dass alle, die Verantwortung für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland trügen, nun füreinander einstehen müssten. "Respekt und Anerkennung für die Leistungen eines jeden von uns ist die notwendige Basis, damit uns gelingt, was wir uns vorgenommen haben. Noch nie war eine jüdische Vertretung auf Bundesebene so wichtig, damit unsere Anliegen und Aufgaben nicht vergessen werden", heißt es weiter in dem Beitrag Knoblochs.

Mit dem Verzicht von Knoblich gilt Vizepräsident Graumann als unumstrittener Nachfolger. Er gehört wie sein Amtskollege Salomon Korn der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main an. Korn hatte allerdings schon vor dreieinhalb Jahren auf eine Kandidatur als Zentralratspräsident verzichtet. Der 1950 in Israel geborene Graumann wäre nicht nur der erste Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der erst nach der der NS-Zeit aufgewachsen ist. Von ihm wird auch erwartet, dass er sich stärker Fragen der Gegenwart zuwenden würde.

Er gilt als Mann klarer Worte vor allem im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Islamismus. Mehrfach hat er sich prononciert für ein Verbot der NPD ausgesprochen. Erst zum Jahreswechsel hatte Graumann sich kritisch zum Schweizer Votum für einen Stopp von Minarettbauten geäußert. Zugleich forderte er aber auch die muslimische Gemeinschaft in Deutschland auf, stärker gegen Antisemitismus vor allem unter jungen Leuten in ihren Reihen vorzugehen. Ansehen hat er sich auch als Verhandlungspartner der Bundesregierung in Sachen Finanzen der Jüdischen Gemeinde in Deutschland erworben.

In den jüdischen Gemeinden Deutschlands sind nach letzten offiziellen Angaben gut 106.000 Juden organisiert, darunter viele erst in den letzten Jahren aus Osteuropa zugewanderte.

Quelle: apd/sdr

 
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