Finanzminister ist "Politiker des Jahres": Koch lobt seinen Freund Steinbrück
VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 28.11.2008 - 07:29Berlin (RP). Der Begriff „Männerfreundschaft“ schillert. Er wurde in der Bonner Republik geboren und, von Ironie triefend, auf zwei politische Alphatiere der Unionsparteien, Helmut Kohl (CDU) und Franz Josef Strauß (CSU), gemünzt.
Was sich politisch hätte zusammenfügen sollen, blieb menschlich und stilistisch unvereinbar wie Feuer und Wasser. Auch wenn Kohl und Strauß hin und wieder gemeinsam wanderten – echte Bergkameraden wurden sie nie.
Eine Männerfreundschaft, die ihren Namen verdient, gab es später zwischen Otto Schily (SPD, davor Grüne) und Günther Beckstein (CSU). Recht und Ordnung hieß ihr Thema. Man speiste italienisch, verschwiegen, Schily suchte den Wein aus. Ein Prosit über Parteigrenzen hinweg.
Auch die Männerfreundschaft zwischen dem Sozialdemokraten Peer Steinbrück und dem Christdemokraten Roland Koch ist erprobt, keine von der falschen Art. Kameraderie, Schulterklopfen gar, war nie im Spiel und zu besichtigen. Zwei Kopfmenschen ohne Parteibrett vor der Stirn, dem Pragmatismus verpflichtet, respektierten sich, je länger, intensiver, politisch zielführender sie zu Werke gingen: ob beim Aushandeln des Finanztableaus für die große Koalition, beim Zurechtstutzen von Subventionen, beim steuerlichen Entlasten von Unternehmen, beim Nein zum CSU-Wunsch nach Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale.
Beide, der Norddeutsche und der Hesse, sind nüchterne Menschen, überdurchschnittlich begabt, mit einem Hang zu Sarkasmus und selbstkritischem Humor. Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit prägt ihr Arbeitsverhältnis. Man weiß um das je andere Parteibuch, ohne es aus der Tasche zu ziehen und damit zu wedeln. „Brüder, zur Sache, zum Erfolg“ könnte man das Programm dieses Duos von Kabeljau und Äppelwoi überschreiben.
Am 4. Dezember wird der eine (Koch) den anderen (Steinbrück) loben, weil der andere in Berlin mit der Auszeichnung „Politiker des Jahres 2008“ geehrt wird.
Eine Zeitschrift für Politik und Kommunikation möchte den Bundesfinanzminister als Typen vom knorrigen Fach auszeichnen, als Erzanwalt der Haushaltsdisziplin, als schweres Gegengewicht zum Ulk der Ypsilanti-SPD, schließlich als der Wahrer streng-sorgender Staatlichkeit gegen grobfährlässige, gemeinwohlgefährliche Finanzakrobaten.
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