Weihnachtsansprache: Köhler kritisiert "Maßlosigkeit" der Banker
zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 - 07:55Düsseldorf (RP). In seiner Weihnachtsansprache plädiert der Bundespräsident für eine "Kultur der Achtsamkeit". Die Deutschen müssten in allen Lebensbereichen zusammenrücken und sich engagieren. Im Hinblick auf die Wirtschaftskrise ermahnte der Bundespräsident die Banker. Notwendig sei die Einsicht, dass Geld den Menschen dienen müsse, nicht umgekehrt.
In seiner Weihnachtsansprache hat Bundespräsident Horst Köhler die Deutschen aufgerufen, sich in allen Lebensbereichen um eine "Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung" zu bemühen.
Jeder einzelne könne "etwas tun für unser Land", sagt das Staatsoberhaupt laut vorab verbreitetem Redetext. Millionen Bürger lebten danach: "Sie setzen sich ein für den Nächsten und für die Allgemeinheit. In Vereinen und Kirchengemeinden, in den politischen Parteien, in Bürgerinitiativen und in der Nachbarschaftshilfe." Auch 2009 habe er dies immer wieder erlebt. "Dieses Engagement lässt uns zusammenhalten und macht unser Land reicher."
An der "Grenze des Verstehbaren"
Köhler erinnert zugleich an Ereignisse während der vergangenen Monate, in denen die Menschen "Schutzlosigkeit" erfahren hätten. Der Bundespräsident nennt in diesem Zusammenhang den Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten im März und den tödlichen Angriff von zwei Jugendlichen auf einen 50-Jährigen an einem Münchner S-Bahnhof vom September. "Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben", sagt Köhler. "Sie haben uns ratlos gemacht." In ihnen stecke aber auch die Aufforderung, "nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben". Das Staatsoberhaupt stellt vor diesem Hintergrund die Frage, ob sich die Menschen mit genügend gegenseitiger Achtsamkeit begegneten.
"Da denke ich auch an unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan", fügt Köhler hinzu. "Machen wir uns klar, was ihr Dienst bedeutet?" Seine guten Wünsche seien "bei ihnen und auch bei den Landsleuten, die sich fern der Heimat im Dienst der Polizei oder der Hilfsorganisationen für Sicherheit und friedlichen Aufbau einsetzen".
Köhler fordert Einsicht
Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise fordert Köhler "Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft". "Wir haben gerade erlebt, dass Maßlosigkeit bei Finanzakteuren und Mängel bei der staatlichen Aufsicht die Welt in eine tiefe Krise gestürzt haben." Notwendig sei das Verständnis dafür, "dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf. Ich verlange Einkehr von den Verantwortlichen", sagt der Bundespräsident.
Auch müssten die Menschen achtsamer mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen, mahnt Köhler. "Wir horchen staunend auf, wenn eine Nasa-Sonde Wasser auf dem Mars entdeckt haben soll – aber wir haben verlernt zu staunen über das Wasser, das bei uns so selbstverständlich aus dem Hahn kommt." Köhler verlangt ein "bewussteres Leben für eine bessere Lebensqualität in besserem Einklang mit der Schöpfung" an. Der Bundespräsident schließt mit der Aufforderung, dass jeder Deutsche etwas zum gesellschaftlichen Erfolg beitrage: "Trauen wir uns etwas zu!" Die ARD sendet die Rede am ersten Weihnachtsfeiertag um 20.10 Uhr.
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