Schramma-Nachfolger gesucht: Köln: OB-Suche gerät zur Peinlichkeit
VON CARSTEN FIEDLER UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 14:49Köln/Düsseldorf (RP). Vor fünf Wochen hat der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) seinen Rückzug angekündigt. Die Suche nach einem Nachfolger wurde zur Posse. Jetzt gerät die Union unter Zeitdruck – die Personalie droht zum peinlichen Thema beim CDU-Landesparteitag zu werden.
Beim jüngsten Heimspiel des 1. FC Köln gegen Werder Bremen saßen sie einträchtig nebeneinander auf der Tribüne des Rhein-Energie-Stadions: Jürgen Rüttgers, NRW-Ministerpräsident, und Fritz Schramma, Kölner Oberbürgermeister auf Abruf. Das Treffen der CDU-Politiker heizte ein Gerücht in der Domstadt noch einmal an: Schramma, so wurde gemunkelt, müsse bei der Kommunalwahl im Herbst doch noch einmal antreten – denn auch fünf Wochen nach dessen Verzichtsankündigung hat die Kölner CDU noch keinen OB-Kandidaten gefunden.
Von Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach bis zu den Enkeln Konrad Adenauers hagelte es Absagen. Und auch bei zwei möglichen Kandidatinnen, deren Namen zu Wochenbeginn durchsickerten, winken einflussreiche Entscheider im bürgerlichen Lager der größten NRW-Stadt ab. Da ist zum einen Siegens Sozialdezernentin Brigitta Radermacher, die mit einer Kandidatur kokettiert hatte. "Sie dürfen kein Kölner Mädchen fragen, ob es nicht OB werden will", ließ sich die 52-jährige Rechtsanwältin und frühere Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses im Kölner Rat im "Kölner Stadt-Anzeiger" zitieren. Gestern abend machte sie dann einen Rückzieher und erklärte auf Anfrage, sie werde nicht antreten.
Schramma fühlt sich geschmeichelt
Als potenzielle Kandidatin genannt wurde zuletzt auch Marion Gierden-Jülich, Staatssekretärin im NRW-Integrationsministerium. In Parteikreisen auf Landes- und Bundesebene hält man es jedoch für ausgeschlossen, dass die Kölner CDU mit der kaum bekannten Politikerin in den Wahlkampf zieht.
Fritz Schramma selbst schmeicheln zwar die Spekulationen um seine Person, ein Comeback schließt er aber aus: "Ich stehe für eine erneute Kandidatur nicht zur Verfügung. Mein Entschluss ist endgültig", erklärte er. Sein neues Ziel: nach der Kommunalwahl erster Bürgermeister, also OB-Stellvertreter, zu werden.
Im Oktober endet nach neun Jahren Schrammas Amtszeit als oberster "Kümmerer" der Kölner. Wegen beißender Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem Einsturz des Stadtarchivs Anfang März hatte er die Reißleine gezogen und seinen Abschied angekündigt. Seitdem wirkt Schramma wie von einer schweren Last befreit. Zuletzt buddelte der 61-Jährige sogar in Feuerwehrmontur im Schuttberg des Stadtarchivs nach Dokumenten – und stieß dabei in einer typisch kölschen Inszenierung wie zufällig auf Abschlusszeugnisse seiner früheren Grundschule.
Gemeinsamkeiten mit der FDP?
Drei Wochen nach Schrammas Verzichtsankündigung hatte eine Findungskommission, unter anderem besetzt mit Wolfgang Bosbach, der Staatssekretärin im Bundesverbraucherministerium, Ursula Heinen, und Kölns Parteichef Jürgen Hollstein, mit der Nachfolgersuche begonnen. Bis zum CDU-Landesparteitag am Samstag sollte ein Kandidat präsentiert werden. Ob daraus etwas wird? "Wir sind im Endspurt", sagte Hollstein gestern.
Insgesamt soll es bereits neun Absagen gegeben haben. Es gibt aber offenbar einen vielversprechenden Kandidaten, der aus der Kölner Privatwirtschaft kommt und kein Parteibuch hat. Auch von einer Rettergestalt aus der Landes-CDU ist immer noch die Rede. Andreas Krautscheid, Europaminister und Rüttgers-Vertrauter, hätte das Zeug zum OB, heißt es in Kabinettskreisen.
Bevor ein Anwärter jedoch auf den Schild gehoben werden soll, wird mit Hilfe der Landes-CDU versucht, die FDP zu einem gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten zu überreden. Derzeit gibt es hektische Telefonate, auch FDP-Chef Guido Westerwelle ist eingebunden. Noch sträubt sich aber der liberale Kandidat Ralph Sterck, zurückzuziehen. "Warum sollten wir die Probleme der CDU lösen?", fragt er kämpferisch. Nach den Umfragen hätte wohl nur ein gemeinsamer Kandidat von CDU und FDP eine Chance, den Kandidaten von SPD und Grünen, Jürgen Roters, zu schlagen.
"Wir sind noch in intensiven Gesprächen, Qualität geht vor Schnelligkeit" – mehr will sich Staatssekretärin Heinen nicht entlocken lassen. Nur so viel noch: "Spätestens in der nächsten Woche" müsse eine Entscheidung getroffen werden. Und so droht die Posse um Schrammas Nachfolger auch ein peinliches Thema des CDU-Parteitags am Samstag in Essen zu werden.
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