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  Foto: AP, AP
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Fritz Schramma zieht Kandidatur zurück: Kölner CDU sucht einen Nachfolger

zuletzt aktualisiert: 29.03.2009 - 19:38

Köln (RPO). Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma hat seine Spitzenkandidatur für die Kommunalwahlen im September zurückgezogen. Der CDU-Politiker war im Zusammenhang mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs unter Druck geraten. Am liebsten hätte die Kölner CDU Wolfgang Bosbach als Nachfolger gesehen. Der aber sagt noch am Sonntag ab. 

Der 61-Jährige begründete seine Entscheidung in einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag. Schramma erklärte, er wolle verhindern dass die Aufarbeitung der Stadtarchiv-Katastrophe in den Wahlkampf gezogen wird. Politische Gegner hatten Schramma zuvor wiederholt Versagen beim Krisenmanagement vorgeworfen. Die SPD-Landesvorsitzende Kraft begrüßte Schramma Schritt: "Herr Schramma hat sich endlich seiner politischen Verantwortung gestellt", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zufolge.

Schramma erklärte, er habe seine politischen Gegner stets aufgefordert, die Katastophe im Severinsviertel nicht zum Wahlkampfthema zu machen. Nun wolle er weiteren Schaden von der Stadt und seinen Bürgern abwenden. Der Opposition warf Schramma vor, politischen Profit aus dem Unglück zu ziehen. Er kündigte an, bis zu seinem letzten Tag im Amt seine Aufgabe mit "Anstand, Würde, Freude und Verstand" zu erfüllen. Schramma übte das Amt seit dem Jahr 2000 aus.

Nachfolge-Kandidaten

Nach dem Verzicht Schrammas wurden schon erste Namen möglicher Ersatzkandidaten gehandelt: Allerdings sagten sowohl Konrad Adenauer, Enkel des früheren Bundeskanzlers, als auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach ab. Die Kandidatur wäre "zweifellos eine reizvolle Aufabe", sagte Bosbach der "Kölnischen Rundschau" zufolge. Aber er könne nicht im Rheinisch-Bergischen Kreis für den Bundestag kandidieren und sich gleichzeitig um das Amt des Oberbürgermeisters von Köln bewerben.

Wenn die Bundestagswahl erst in einem Jahr wäre, hätte er die Aufgabe gerne übernommen, wird Bosbach weiter zitiert. "Aber jetzt liegen ganze vier Wochen zwischen Kommunalwahl- und Bundestagswahltermin. Ich habe doch schon jede Menge Wahlkampfauftritte im ganzen Bundesgebiet vereinbart, ich habe meine Verpflichtungen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Das kann ich nicht mit einer Kandidatur in Köln vereinbaren", betonte er.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omniquest für den "Kölner Stadt-Anzeiger" und den "Express" ergab, dass fünf Monate vor der Kommunalwahl SPD und Grüne in Köln mit klarer Mehrheit vorn liegen. Danach kommen die Sozialdemokraten auf 35,1 Prozent der Stimmen, die Grünen auf 19,6 Prozent. Für die CDU votieren 26,1 Prozent der Befragten, für die FDP 10,6 Prozent. Die Befragung fand vor Schrammas Ankündigung statt, nicht mehr anzutreten. Der CDU-Politiker kommt in der Umfrage auf 37,6 Prozent der Stimmen, der ehemalige Kölner Polizei- und Regierungspräsident Jürgen Roters (SPD), der für SPD und Grüne antritt, vereint 50 Prozent der Stimmen auf sich.

Konrad Adenauer ist der Enkel des legendären Bundeskanzlers. Foto: AP, AP

Schramma war lange unter Druck

Der Kölner Oberbürgermeister war im Zusammenhang mit dem Einsturz am 3. März unter Druck geraten. Zunächst hatte Schramma die politische Verantwortung für die Tragödie am Waidmarkt vehement abgelehnt. Stattdessen hatte er sich nach dem Unglück zunächst für, dann gegen einen sofortigen Baustopp der Nord-Süd-Stadtbahn ausgesprochen.

Ein Wassereinbruch in der U-Bahnbaustelle nahe dem Stadtarchiv gilt als wahrscheinlichste Ursache für den Gebäudeeinsturz, bei dem am 3. März zwei junge Männer getötet wurden. Aus Schrammas Umfeld ist bekannt, wie sehr ihn das Schicksal der beiden jungen Männer schwer getroffen hat.

Schramma hatte agierte mehrmals unglücklich. So stellte er unmittelbar nach dem Unglück weiter U-Bahn-Bauten bundesweit infrage und musste später zurückrudern. Seine heftige Kritik am Kölner Baudezernenten, dem er vorwarf, ihn nicht ausreichend ausreichend über Probleme beim U-Bahn-Bau informiert zu haben, erweckte außerdem bei vielen Beobachtern den Eindruck, dass er seine Verwaltung nicht im Griff habe.

Zuletzt hatte zudem die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Schramma eingeleitet. Anlass sind angeblich ungenehmigte Tonbandaufzeichnungen von internen Sitzungen des Koordinierungsstabs zum Archiveinsturz.

Quelle: AP

 
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