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Kolumne: Berliner Republik
Angela Merkel – eine Verneigung

Kolumne: Berliner Republik: Angela Merkel – eine Verneigung
FOTO: Schwennicke
Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel öffnete die Grenzen und ließ unkontrolliert zahlreiche Menschen ins Land. Sie hat mit ihrem Solo die CDU gespalten, Deutschland gespalten und Europa gespalten. Und dennoch bleibt sie. Von Christoph Schwennicke

Wenn die Flüsse aufwärts fließen und die Hasen Jäger schießen und die Mäuse Katzen fressen, dann erst will ich dich vergessen." So was schrieb man früher in Poesiealben. Ich weiß nicht, ob es in der DDR auch Poesiealben gab und ob Angela Merkel eines hatte. Ich muss jedenfalls an diesen Spruch denken, wenn ich dieser Tage an Merkel denke.

Denn die Kanzlerin hat es geschafft, dass politisch gesehen die Flüsse aufwärts fließen. Ihr eigener vor allem. Und das ist nichts weniger als eine Verneigung wert. Wenn jemand als Regierungschef einen derart groben Schnitzer gemacht hat, und knapp zwei Jahre später wieder der 40-Prozent-Marke in den Umfragen und einer dritten Wiederwahl im September zustrebt, dann ist das eine tiefe Verneigung wert.

Tun wir kurz das, was das vergessliche Wahlvolk in seiner Mehrheit nicht tut: Erinnern wir uns. Angela Merkel öffnete in einem historisch einmaligen Akt die Grenzen und ließ unkontrolliert Menschen im Millionenmaßstab ins Land. Dieser von ihr hergestellte Ausnahmezustand dauerte 180 Tage an, wurde von anderen, allen voran einem österreichischen Außenminister beendet, der die Grenzen wieder schloss.

Seither ist Deutschland ein anderes Land. Politisch und gesellschaftlich. Das von manchen prognostizierte Wirtschaftswunder durch die Zuwanderung ist ausgeblieben, stattdessen haben sich Kriminalität und mörderische Gewalt in markant höhere m Maße eingestellt. Die Attentatsangst ist keine Phobie, sondern begründet. Köln, Berlin, Ansbach, Freiburg und Würzburg stehen als Chiffren dafür.

Die Versorgung und Unterbringung der Migranten kosten Bund, Länder und Kommunen jedes Jahr im Schnitt der Berechnungen und nach Auswertung der Kosten in 2016 etwa 50 Milliarden Euro. Wolfgang Schäuble, der Finanzminister, hortet jeden Euro an Überschuss, um es für die notwendige und gebotene Hilfe für die zumeist jungen Männer bereit zu halten.

Merkel hat mit ihrem Solo die CDU gespalten, Deutschland gespalten und Europa gespalten. Und dennoch bleibt sie. Das ist eine Meisterleistung. Ins Politische übertragen, als würden jetzt die Hasen Jäger schießen. Normalerweise wird man für so einen Fehler ultimativ abgestraft. Nicht so Merkel. Insofern: Es ist hohe Zeit, dieser Kanzlerin allen Respekt zu zollen. So zu irren und zu fehlen und doch zu bleiben, das ist zwar keine Staatskunst. Aber allerhöchste Machtkunst.

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des "Cicero" und schreibt regelmäßig an dieser Stelle im Rahmen einer Kooperation. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

 
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