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Kolumne: Berliner Republik
Kann Gewalt links sein?

Berliner Republik – Kolumne von Eva Quadbeck: Kann Gewalt links sein?
FOTO: Quadbeck
Während in Hamburg Linksextremisten die Stadt verwüsten, debattiert man in Berlin, ob Linksextremisten eigentlich links sind. Von Eva Quadbeck

Parteipolitisches Geplänkel aus Großereignissen herauszuhalten, ist immer schwierig. In Wahlkampfzeiten ist das unmöglich. So befand der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in einer ersten Reaktion auf die Ausschreitungen in Hamburg beim G 20-Gipfel: "Ich stelle immer wieder fest, dass schon Teile der SPD, große Teile der Grünen, und total die Linkspartei überhaupt nichts davon hören will, wenn man von Linksextremismus in unserem Land redet."

Das saß. Schob Herrmann doch auch SPD und Grünen einen Teil der Verantwortung für die Ausschreitungen zu. Dabei hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) mit allen Mitteln versucht, seine Stadt vor der linksextremistischen Gewalt zu schützen. Er war dabei nicht erfolgreich. Doch das ist bei Scholz nun wirklich nicht seiner Gesinnung geschuldet.

Eine wütende Reaktion des leicht erregbaren SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz ließ nicht lange auf sich warten. Gewalttäter seien "bescheuert, aber nicht links", gab Schulz zurück, der es eine Frechheit nannte, seine "Partei in Verbindung mit diesem Mob zu bringen". Links und Gewaltanwendung schlössen sich aus, so Schulz weiter. Dabei unterschlug er wiederum geflissentlich, dass Herrmann nicht von links, sondern von linksextremistisch gesprochen hatte.

Dass Linksextremisten sehr wohl gewalttätig werden können - auch gegen Menschen, wird nach dem G 20-Gipfel in Hamburg niemand bestreiten. Und dass, wer den Begriff "links" nicht ausschließlich mit dem Weltfrieden in Verbindung bringt, nicht gleich politisch unkorrekt ist, kann man gelten lassen.

Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen hat die politische Linke ein ähnliches Problem wie friedliche Muslime mit dem gewalttätigen Islamismus: Man muss sich davon distanzieren, auch wenn man keine Berührungspunkte hat. Wie gesellschaftspolitisch mit den Ausschreitungen umzugehen ist, scheint in der SPD noch nicht ganz ausdiskutiert zu sein. In einem Talk mit der "Bild"-Zeitung erklärte Justizminister Heiko Maas (SPD), ein Musikfestival "Rock gegen links" zu einer möglichen gesellschaftlichen Rektion auf die Vorfälle in Hamburg. Zur Erklärung sei angemerkt, dass Maas in dem Talk von den Fragestellern auf die Fährte gesetzt wurde und es spontan dann mit den Begrifflichkeiten nicht ganz so genau nahm wie sein Parteichef.

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Quelle: RP
 
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