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Kolumne: Berliner Republik
Der Wahlkampf 2017 wird heiß

Kolumne: Berliner Republik: Der Wahlkampf 2017 wird heiß
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Berlin. Im Schlafwagen sei sie an die Macht gekommen, warfen Kritiker Merkel 2013 vor. 2017 wird das nicht mehr klappen. Wer an die Macht will, muss sich auf eine Marterstrecke einstellen. Von Eva Quadbeck

Möglicherweise war die Art des Wahlkampfs, der uns 2017 erwartet, ein Grund für Angela Merkel, mit der Kanzlerkandidatur so lange zu zögern. Bislang gewann sie, indem sie ihre zur Raute geformten Hände plakatieren ließ und mit ihrer Bodenständigkeit warb. Während die Wirtschaft brummte und Deutschland als Musterknabe Europas galt, war Wahlkampf für Merkel eher Formsache.

Die Wirtschaft brummt immer noch, und Deutschland gilt weiterhin als Hort der Stabilität in Europa. Doch die Stimmung im Land hat sich radikal geändert. Die politischen Ränder, rechts und links, sind gewachsen und verschaffen sich lautstark Gehör. Mitunter sprengen sie den Rahmen dessen, was bislang an Umgangsformen in der Politik galt. Auch die Zahl politisch motivierter Gewalttaten nimmt zu.

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass von einer solch aufgeheizten Stimmung auch der Bundestagswahlkampf beeinflusst wird. Der Kanzlerin ist das klar: "Ich bin bereit, einen Wahlkampf zu führen, der sehr anders sein wird als die Wahlkämpfe davor", sagt sie. Merkel hat immer noch Rückhalt im Volk. Nach einer Emnid-Umfrage wünschen sich 55 Prozent der Deutschen eine weitere Amtszeit, 45 Prozent aber nicht. Ein Teil von ihnen äußert das schrill, teils boshaft.

2017 müssen sich alle etablierten Parteien fragen, wie sie mit dieser neuen Tonlage umgehen. Einen groben Keil auf einen groben Klotz setzen? Oder sich selbst treu bleiben und es bei den üblichen Wahlkampf-Zuspitzungen belassen? Merkel hat schon angekündigt, sie werde die Auseinandersetzungen in der Tonlage von Demokraten führen - eine Spitze gegen die AfD, die sich immer wieder im Ton vergreift.

Der Kanzlerin ist klar, dass sie in diesem Wahlkampf im Mittelpunkt von Angriffen stehen wird. Der Wahlkampf werde der "schwierigste seit der deutschen Einheit", meint sie. Die Kanzlerin und ihre CDU werden sich wiederfinden zwischen Angriffen von rechts durch die AfD und von links durch SPD, Grüne und Linke. Bei der SPD ist zu erwarten, dass sie kleine Ausflüge Richtung Linkspopulismus unternimmt. Denn bei den Sozialdemokraten reift die Erkenntnis, dass sie nur mit einem klaren linken Profil ihre Wähler werden erreichen können. Die Union wiederum wird versuchen, dies auszunutzen, und die alte Rote-Socken-Kampagne in der Ringelversion Rot-Rot-Grün präsentieren.

Noch ist bei der Union wiederum nicht ausgemacht, dass sie die Reihen im Wahlkampf schließen kann. Falls dies nicht mehr gelingen sollte, kommen die Anfechtungen eben nicht nur von links und von rechts, sondern auch von innen. Und die schwächen am meisten.

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