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Kolumne: Berliner Republik
Deutschland-Fahne als Symbol für Multikulti

Kolumne: Berliner Republik: Deutschland-Fahne als Symbol für Multikulti
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Berlin. Seit den abfälligen Bemerkungen von AfD-Vize Gauland über Nationalspieler Boateng ist die schwarz-rot-goldene Flagge bei Fußballspielen auch ein Bekenntnis zur Vielfalt. Von Eva Quadbeck

Seit der als Sommermärchen in die Geschichte eingegangenen Fußball-WM 2006 haben wir ja ein weitgehend unverkrampftes Verhältnis zum Patriotismus. Zumindest, wenn die Nationalmannschaft spielt. Er ist fröhlich und nicht chauvinistisch. Schwarz-rot-goldene Fähnchen sowie Mützen, Perücken, T-Shirts und Schminke in den Nationalfarben gehören beim gemeinschaftlichen Fußball-Gucken dazu wie bunte Eier an Ostern.

Die Grüne Jugend in Rheinland-Pfalz versuchte vergangene Woche zum EM-Auftakt, den Fans der Nationalmannschaft den Spaß zu verderben, indem sie forderte: "Fahnen runter". Den fröhlichen Fußballfans in Schwarz-Rot-Gold unterstellten die Grünschnäbel Nationalismus. Der Vorstoß war so absurd, dass er kurze und heftige Proteste auslöste und dann versandete. Manch einer fühlte sich bei der Forderung an den Veggie-Day erinnert. Im Wahlkampf 2013 forderten die Grünen einen fleischlosen Tag in Deutschlands Kantinen. Damit schossen sie sich ins gesellschaftliche Aus.

Was die Grüne Jugend nicht bedachte: Schwarz-rot-goldene Fahnen sind zumindest bei Fußballspielen auch ein Bekenntnis zu Multikulti. Migrationshintergrund haben etliche von Jogis Jungs. Spätestens seit den abfälligen Äußerungen von AfD-Parteivize Alexander Gauland über den Nationalspieler Jérôme Boateng ist der Jubel für die Nationalmannschaft auch ein Ja zur Vielfalt im Land. Wer die AfD nicht mag, bekennt sich seitdem dazu, sich Boateng als Nachbarn zu wünschen. Im Brandenburger Landtag, in dem Gauland die Fraktion der AfD anführt, streifte sich ein CDU-Abgeordneter, der sonst Anzug trägt, sogar ein Boateng-Trikot über.

Wenn der Verteidigungsspieler der Nationalmannschaft weiter so starke Auftritte zeigt wie bei den ersten beiden Spielen der deutschen Elf in Frankreich, könnte Jérôme Boateng sogar noch zum Nationalhelden werden. Das wäre eine hübsche Pointe.

Der Sport ist neben dem Wettkampf, wer der Schnellste, der Stärkste, der Geschickteste ist, traditionell auch ein Mittel der Völkerverständigung. Umso kurioser war der Versuch von AfD-Vize Gauland, ausgerechnet über einen Vorzeige-Fußballer das Trennende zwischen jenen, die schon seit Generationen in Deutschland leben, und jenen, deren Vorfahren zugewandert sind, herauszustreichen.

Zum Glück ist die AfD jetzt wieder mit sich selbst und ihren internen Machtkämpfen beschäftigt. Da kann sie dem Rest im Land nicht die gute Laune bei der Fußball-Europameisterschaft verderben.

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