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Kolumne: Berliner Republik
Die Furcht vor dem Hillary-Effekt

Kolumne: Berliner Republik: Die Furcht vor dem Hillary-Effekt
Unsere Autorin Eva Quadbeck. FOTO: RP
Berlin. Die bittere Niederlage von Hillary Clinton bei den US-Wahlen hat das Zeug Eingang in politische Lehrbücher zu finden - als Klassiker für die Ablehnung des Weiter-So.

Eine Niederlage wie Hillary Clinton sie erlebt hat, sucht in der Geschichte der Demokratie ihres Gleichen. Als hohe Favoritin gestartet, als Profi gegen den Underdog, mit den Medien und den Umfragen im Rücken, verlor sie gegen einen ungehobelten und unbeherrschten Chauvi. Wie unbeliebt muss eine Politikerin sein, damit so etwas passieren kann? Die Amerikaner hatten offensichtlich Kennedy-, Bush-, und Clinton-Clans gründlich satt.

Dass Hillary Clinton in dieser Stimmung in eine Abwärtsspirale geriet, an deren Ende eine bittere politische Niederlage stand, muss sie sich zu einem großen Teil selbst zuschreiben. Sie ist zugleich Opfer eines Systems in der Existenzkrise geworden. In diesem System ist sie zunächst selbst aufgestiegen und hat es weiter ausgebaut hat. So gesehen haben sich die Amerikaner nicht für Trump, sondern gegen das feste Gefüge der demokratischen Organisation von Macht entschieden.

Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016 FOTO: afp, js

In Berlin stellen sich Politik-Strategen nun zu Recht die Frage, ob die Hillary-Spirale auch Kanzlerin Merkel im Wahljahr 2017 erwischen kann. Selbstverständlich gibt es eine Menge Unterschiede: Merkel ist keine Trickserin, was Clinton immer vorgeworfen wurde. Aber es gibt eine von der AfD beförderte Stimmung im Land, die Merkel nicht länger an der Spitze der Regierung sehen will. Wenn man auf das Beispiel USA schaut, dann kann man nicht davon ausgehen, dass nur jene 12 oder 13 Prozent der Wähler, die sich aktuell zur AfD bekennen dieser Stimmung anhängen.

Zumal Merkel der gescheiterten amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Clinton in einem Punkt sehr ähnlich ist. Sie beide sind rational und faktenorientiert in ihrer politischen Kommunikation Populistischer Taktik, die mit Behauptungen, Emotionen und Empörung arbeitet, haben sie nicht viel entgegenzusetzen.

Eine Hillary-Spirale werden Union und SPD im Wahljahr 2017 nur verhindern können, wenn sie Zugang zu jenen finden, die sich vom politischen System abgewandt haben. Das ist schwer. Denn der Frust dieser Menschen sitzt tief. Die etablierten Parteien in Berlin haben in dieser Frage kein Erkenntnis-Problem. Sie wissen seit Jahren, dass einst wachsende Zahl der Nicht-Wähler ihre Politik-Angebote ablehnen. Dass sie diese Wähler bislang wenig beachtet haben, rächt sich nun.

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