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Kolumne: Berliner Republik
Sexismus und Politik

Berlin. Auf Bundesebene geht die CDU offen mit den Sexismus-Vorwürfen gegen den Berliner Innensenator um. Das ist neu und wird der Partei am Ende womöglich nutzen.

Das Interessante an der neuen Debatte zum Thema Sexismus und Politik ist, dass wir sie relativ abgeklärt führen. Als eine Journalistin vor mehr als drei Jahren lange zurückliegende anzügliche Bemerkungen des damaligen FDP-Fraktionschefs Rainer Brüderle veröffentlichte, stand die Republik kopf und führte eine sehr aufgeregte, mäßig zielführende Debatte über das Thema Alltags-Sexismus.

Der Fall der jungen CDU-Politikerin Jenna Behrends, die als "Mitte Mädchen" im Internet für ihren Blog wirbt, ist schwerwiegender. Während sich die FDP-Berichterstatterin damals Bemerkungen über ihre Oberweite hatte anhören müssen, ist der aufstrebenden CDU-Politikerin indirekt unterstellt worden, sie habe durch Sex an ein politisches Amt kommen wollen. Das klingt absurd: Es ging um ein Ehrenamt, Abgeordnete in einer Bezirksversammlung in Berlin. Zwei Bemerkungen, die vom noch amtierenden Innensenator Frank Henkel stammen sollen, sind der Dreh- und Angelpunkt der neuen Debatte. So soll Henkel die 26-Jährige als "süße Maus" bezeichnet haben und bei anderer Gelegenheit einen Parteifreund gefragt haben: "Fickst du die?"

In der Politik ist der Ton, wie überall, wo Konkurrenz herrscht, schon mal rauer. Die Unterstellung eines sexuellen Verhältnisses in derart ordinärer Sprache sprengt aber den Rahmen. Umso wohltuender ist es, dass CDU-Generalsekretär Peter Tauber und die Vorsitzende der Frauenunion weder den Versuch unternommen haben, den öffentlichen Anwurf der jungen Parteikollegin in Frage zu stellen, noch den Innensenator zu verteidigen. Vielmehr stellte der Generalsekretär nüchtern fest: "Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert. Aber ohne Nennung von Namen." Auch die Reaktion der Vorsitzenden der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, war eindeutig: Sexismus sei "nirgends akzeptabel". "Wir brauchen eine Kultur des Respekts. Frauen sind willkommen in der CDU, und wir brauchen mehr."

Im Gegensatz zu Brüderle, der damals von seiner Partei noch als Spitzenkandidat im Bundestagswahlkampf gebraucht wurde, ist Frank Henkel politisch eine lame duck (lahme Ente). Es ist klar, dass er als Landeschef der Berliner CDU abtreten muss. Daher ist es für seine Partei nun leichter, den Sexismus-Vorwurf stehen zu lassen und zu einem akzeptablen Umgang miteinander aufzurufen. Der offene Umgang mit dem Problem wird der CDU wahrscheinlich nutzen. So hat Jenna Behrends ihrem Landesverband viel Ärger beschert, der Partei auf Bundesebene aber eher genutzt.

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Quelle: RP
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