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Kolumne: Berliner Republik
Politiker in der Twitterfalle

Die meisten Eigentore in der Politik fallen in den sozialen Netzwerken. Mit steilen Meinungsäußerungen schaden sich Politiker oft selbst. Von Eva Quadbeck

Ein erhöhtes Sendungsbewusstsein gehört zu einer Karriere in der Politik dazu. Die sozialen Netzwerke sind für Parteigänger und Amtsträger also wie geschaffen, rund um die Uhr ihre Sicht der Dinge zu verbreiten. Manchmal sind es die politischen Akteure selbst, oft auch die Mitarbeiter, die bei Twitter, Facebook und in anderen Diensten mal witzig, mal polemisch, mal missionarisch und oft auch ohne jedes Fingerspitzengefühl twittern und posten. Motto: Dabei sein ist alles.

Zuletzt fiel Justizminister Heiko Maas (SPD) unangenehm mit dem Dank an eine linksextreme Band auf. Die Band hatte bei einem Konzert gegen rechts gespielt, wofür Maas sie via Twitter lobte. Allerdings besingen die Punkrocker "Feine Sahne Fischfilet" auch Gewalt gegen Polizisten. Deswegen ist auch der Verfassungsschutz auf sie aufmerksam geworden. Eine Klarstellung gab es von Maas nicht. Nur Auskünfte seines Social-Media-Teams, dass man sich nicht alle Textzeilen der Band zu eigen mache. Auch die Band selbst machte deutlich, dass sie auf das Lob des Justizministers verzichten kann. Der Tweet war also ein klassisches Eigentor.

Die sozialen Netzwerke lassen Politiker Vorsicht und Diplomatie immer wieder vergessen. Fragwürdige Meinungsäußerungen gibt es auch, wenn das Social-Media-Team schon Feierabend hat und der Chef selbst zum Smartphone greift.

So bleibt auch die Frage unbeantwortet, was der frühere Innenminister und heutige Vize-Unionsfraktionschef Hans-Peter Friedrich (CSU) eigentlich meinte, als er am Wochenende einen Tweet unserer Online-Redaktion über Gabriels Stinkefinger aufgriff und dazu schrieb: "Ich kann ihn verstehen. Mir geht es bei dem ganzen linken Pack genauso." Wer ist das linke Pack, dem Friedrich gerne den Stinkefinger zeigen möchte? Vielleicht die Punkrocker von "Feine Sahne Fischfilet", die wiederum vom Justizminister gelobt wurden?

So ist das manchmal mit den Kurzbotschaften in den sozialen Netzwerken: 140 Zeichen steile Meinungsäußerung und der geneigte Leser bleibt ratlos zurück.

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der sonst ja viele Missverständnisse provozierte, versuchte dies bei Twitter zu vermeiden. So ließ er seine Mitarbeiter im Wahlkampf gerne mal einen handgeschriebenen Zettel mit mehr als 140 Zeichen abfotografieren und bei Twitter einstellen. Doch diese Botschaften verfehlten dann auch ihre Wirkung, weil sie Heiterkeit auslösten - statt Begeisterung für die SPD.

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Quelle: RP
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