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Kolumne: Berliner Republik
Staat und Fußball - vom Verhältnis zweier Mächte

In Deutschland hört man oft Klagen von Verbandsfunktionären, der Fußball werde vom Staat finanziell stiefmütterlich behandelt. Aber wieso? Wir alle zahlen doch die Party jedes Wochenende mit.

Dieses Mal soll es hier um eine Sache gehen, von der ich vorsätzlich und nachweislich nichts verstehe, dafür aber eine umso deutlichere Meinung habe. Begonnen sei mit einem heiklen Geständnis, das gerade einen Mann leicht in die Nähe hormonell-viriler Insuffizienz rückt: Ich mache mir nichts aus Fußball. Mein Leben ist reich an zusätzlichen Mußestunden, die der viril gesunde Mann hierzulande mit dieser Sportart zubringt. Passiv, versteht sich. Als Konsument und damit Einzahler in ein System, das mir krank und korrupt erscheint.

Neulich habe ich trotz dieses mutmaßlichen Gendefekts einen anregenden Abend mit einer maßgeblichen Figur des Fußballbetriebs zugebracht. Und ich gestehe ohne Umschweife: Dieser Hans-Joachim Watzke hat mich beeindruckt und intellektuell stimuliert. Man darf leider aus so einem Hintergrund nicht berichten. Sonst reden die Leute einfach nicht so erfrischend. Aber in Sachen Fußball habe ich aus den Einlassungen Watzkes gewisse Erkenntnisse mitgenommen: Der deutsche Fußball wird erstens finanziell viel zu kurz gehalten und zweitens von den Ländern und Kommunen oft nicht mit hinreichend Autobahnausfahrten und anständiger Infrastruktur versorgt.

Ich dachte dann darüber nach, ob das so stimmen kann, dass der Fußball so stiefmütterlich behandelt wird. Man möge mich bitte korrigieren, aber es ist doch schon so, dass es sich bei diesen Clubs um streng nach privatwirtschaftlichen Regeln funktionierende Unternehmen handelt, die weder auf Subventionen des Staates Anspruch haben noch Teile ihrer zum Teil gewaltigen Gewinne dort abgeben müssen? Und es ist auch nicht bekannt, dass der Fußball unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes stünde.

Gleichwohl verbringen jedes Wochenende viele Zehntausend Polizeibeamte ihren Dienst damit, den reibungslosen Betrieb der Fußballspiele sicherzustellen. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und stellte die Frage, ob es zu viel verlangt wäre, dass sich die Fußballkonzerne an den Kosten beteiligten. (Zumal, das habe ich mich aber nicht getraut zu sagen, auch Fußballabstinenzler die Party jedes Wochenende mitbezahlen.)

Es war in dem Tumult nicht mehr zu unterscheiden, wer gesagt hat, in dieser Logik müsse man aber auch das Oktoberfest an den Polizei-Kosten beteiligen. Die Wiesn aber ist eine Veranstaltung der Stadt München und nicht der Bierbrauer.

Der Autor ist Chefredakteur des Magazins "Cicero" und schreibt regelmäßig an dieser Stelle im Rahmen einer Kooperation. Ihre Meinung? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

Quelle: RP
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