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Kolumne: Berliner Republik
Wer wird denn nun Bundespräsident?

Wer wird neuer Bundespräsident von Deutschland?
FOTO: RP
Aus der öffentlichen Debatte ist die Frage, wer nun Bundespräsident Joachim Gauck nachfolgt, verschwunden. Hinter den Kulissen aber laufen die Drähte heiß.

Die häufigste Frage, die ich aktuell in meinem privaten Umfeld zu politischen Themen gestellt bekomme, lautet: Wer wird denn nun nächster Bundespräsident? Das ist eine ziemlich unvorsichtige Frage, denn wer sie stellt, kommt unter einem zehnminütigen Referat selten davon. Meine elfjährige Tochter winkte neulich nach kurzer Zeit ab und sagte: "Mama, ich dachte, du weißt so was."

Um das an dieser Stelle ein wenig abzukürzen: Schwarz-Rot, Rot-Rot-Grün oder Schwarz-Grün könnten mehr oder weniger tragfähige Mehrheiten für einen Kandidaten in der Bundesversammlung bilden. Denkbar wäre auch eine große bürgerliche Koalition, in der es SPD und Union gelingt, auch die Liberalen und die Grünen an Bord zu holen. Es gibt sogar wenige Realo-Linke, die meinen, man sollte in der aktuellen Lage, in der die Rechtspopulisten immer mehr Oberwasser gewinnen, sich einer solchen Koalition anschließen. Klar aber ist, dass alle heute im Bundestag vertretenen Parteien keine gemeinsame Sache mit der AfD machen wollen. So weit der einfache Teil der Erklärung.

Was die Namen betrifft, wird hinter den Kulissen heftig verhandelt. Mittlerweile haben alle Parteien bis zu einem halben Dutzend Namen auf der Liste, die sie zu verschiedenen Seiten diskret austesten. Immer wieder fällt dabei: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Gegen ihn spricht, dass er - trotz seiner überparteilichen Funktion als Bundestagspräsident - nach wie vor ein aktiver Politiker ist. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hatte ausgeschlossen, dass die SPD einen aktiven Politiker der Union wählt, nachdem durchgesickert war, dass die Union im Wahljahr 2017 keineswegs einen aktiven SPD-Politiker wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier wählen werde.

Gegen Norbert Lammert spricht ansonsten nichts - außer vielleicht noch aus Sicht der Grünen, dass er keine Frau ist. Ansonsten passt die Stellenausschreibung gut auf ihn: Er genießt überparteilich Anerkennung, kann sehr gute Rede halten und verfügt über intellektuelle Tiefenschärfe. Seine Volksnähe wäre noch ausbaufähig. Interessanterweise ist der bisherige Protokollchef des Präsidialamtes gerade als Protokollchef und außenpolitischer Berater zu Lammert gewechselt. Gut vorbereitet wäre der amtierende Bundestagspräsident also.

Zu beantworten wäre dann noch die folgende Quizfrage: Wer leitet eigentlich die Bundesversammlung, wenn der Bundestagspräsident für das oberste Staatsamt kandidiert? Dafür stünden sechs Vizes in Konkurrenz.

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(qua)
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