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Kolumne: Gesellschaftskunde
Häme hilft bei Donald Trump nicht weiter

Kolumne: Gesellschaftskunde: Häme hilft bei Donald Trump nicht weiter
Unsere Autorin Dorothee Krings. FOTO: Krings
Düsseldorf. Über den US-Präsidenten wird oft verächtlich gesprochen. Dafür gibt es genügend Anlass, doch wer andere lächerlich macht, unterschätzt sie meistens. Von Dorothee Krings

Es ist schon bemerkenswert, wie widersprüchlich von US-Präsident Donald Trump die Rede ist. Mal wird er als bösartiger Clown dargestellt, als überforderter Nicht-Politiker und verzogener Trump-Tower-Bewohner mit reichlich Aussicht, aber beschränktem Horizont. Und genüsslich werden die Millionen Anlässe ausgekostet, sich über seine Ignoranz und Unbildung lustig zu machen. Dann wieder ist Trump der mächtigste Dämon der Erde, der unheilige Allianzen schmiedet und die ganze Welt ins Unglück stürzen könnte.

Natürlich hat diese Widersprüchlichkeit damit zu tun, dass der Präsident selbst es darauf anlegt, die Öffentlichkeit zu polarisieren. Als ungebildet zu gelten, hat ihm etwa im Wahlkampf nicht geschadet, und so gibt er auch als Präsident den Rüpel, der sich seine Rechte nimmt und damit anscheinend vielen Amerikanern das Gefühl gibt, auch ihre Anliegen hart zu vertreten. Darum kümmert es Trump auch nicht, wenn Kameras festhalten, wie er in Brüssel den montenegrinischen Premierminister rüde beiseite schiebt. Die Wähler haben sich ja für einen entschieden, der um jeden Preis in die erste Reihe will. Also dürfen sie auch zusehen, wie das geht.

Die zwischen Verulkung und Verängstigung pendelnde Wahrnehmung Trumps hat aber auch damit zu tun, dass Verächtlichkeit immer mit Unterschätzung einhergeht. Wer Menschen aus einer Position der Überheblichkeit beobachtet und beschreibt, blendet deren Macht und mögliche Stärken aus. Sonst wäre es vorbei mit dem Lustigmachen. Oft spüren jene, die sich verächtlich auslassen, insgeheim aber, dass ihre Sichtweise nicht ganz angemessen ist. So entsteht dieses untergründige Gefühl, die verspottete Person könne gefährlicher sein als gedacht. Der verächtliche Witz könnte nicht stark genug sein, um sie auf immer zu bannen.

Das heißt nicht, dass man über Trump keine Witze machen sollte. Er bietet Anlass genug. Außerdem dient scharfer Spott der Aufklärung, Witze und Überzeichnungen sind die schlagendste Form der Kritik. Dafür nehmen sie im Kern aber ernst, was sie dem Gelächter preisgeben, sie unterschätzen es nicht.

Da verläuft die Grenze zum Verächtlichmachen, das in erster Linie der Selbsterhebung dient. Das verschafft Genugtuung, aber die hält nur kurze Zeit, weil in der verächtlichen Bemerkung immer schon das Wissen um ihre Unangemessenheit enthalten ist.

Es ist also an der Zeit, nüchterner auf Trump zu blicken, ohne Häme. Ohne Angst. Er ist ein Anlass für Witze, eine Witzfigur ist er nicht.

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Quelle: RP
 
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