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Kolumne: Gesellschaftskunde
Trump als Bekenntnis zum Trash

Kolumne: Gesellschaftskunde: Trump als Bekenntnis zum Trash
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Düsseldorf. Viele Menschen ereifern sich über den unmöglichen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Doch der ist nicht als Person interessant, sondern als Symptom. Von Dorothee Krings

Wahlkampf in den USA mit seinen Vorwahlschlachten und TV-Duellen war schon immer Anlass für die alten Europäer, mit dem Unterton der Überlegenheit über amerikanisches Politainment zu sinnieren und vor der Logik des Showgeschäfts zu warnen, die auch hierzulande auf das Politische übergreift.

Diese Routine bekommt nun neuen Schwung, denn wie zum Beweis aller dunklen Vorahnungen steht jetzt mit Donald Trump ein ganz und gar unmöglicher Kerl zur Wahl, über den täglich neue Skandale öffentlich werden, die ihn eigentlich die Kandidatur kosten müssten. Und alle starren gebannt auf diesen groben Mann mit den niederen Instinkten, der lügt und pöbelt und es trotzdem so weit gebracht hat. Man kann sich nun der Faszination des Unverschämten hingeben und mit heimlicher Lust jede neue Trump-Enthüllung auskosten. Oder man fragt, was es eigentlich über die Gegenwart sagt, dass sie einen solchen Machttypus hervorbringt und duldet. Trump ist ja nicht als Person interessant, sondern als Symptom.

So steht er etwa für die derzeitige Sehnsucht nach totaler Unverfrorenheit. Seine inszenierte Grobschlächtigkeit ist eine Form, auf die immer komplexere Welt zu reagieren. Statt sich in komplizierten Gegenwartsanalysen zu verzetteln, setzt einer offensichtlich auf die Macht des markigen Spruches. Das ist das Pippi-Langstrumpf-Modell, nur in zornig, einer macht sich die Welt, wie es ihm gefällt, und wettert so selbstbewusst gegen die angeblichen Verhältnisse, dass alle Kritik an ihm schwach wirkt. Trump steht für einen neuen Typus des Populisten, der seinen Populismus nicht mehr zu verbrämen versucht, sondern ihn offen auslebt, weil genau das die Menschen anspricht. Er inszeniert sich als Wutbürger, der Teil des politischen Systems geworden ist, nur um im Porzellanladen mal richtig um sich zu werfen. Natürlich geht da viel zu Bruch.

Bedenklich ist, wie viele Menschen - auch in den beobachtenden Staaten weltweit - Freude an den Scherben haben. Trump kehrt eine tief in der Gesellschaft schlummernde Zerstörungslust nach außen. Über die Gründe sollte man nachdenken: Vielleicht produziert der Kapitalismus zu viele Gedemütigte, die einen Rächer suchen. Vielleicht drückt sich in der Trump-Begeisterung auch die Unvernunft und selbstverliebte Kindlichkeit einer Zeit aus, in der vieles als Spiel gilt, Ernsthaftigkeit als Spielverderbertum. Trump zu wählen, wäre dann das Bekenntnis zum Trash an der Wahlurne. Am Tag danach beginnt die Wirklichkeit.

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