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Kolumne: Gott und die Welt
Das Geschenk des Urlaubs

Kolumne: Gott und die Welt: Das Geschenk des Urlaubs
FOTO: dpa, Daniel Naupold
Düsseldorf. Dass alle Welt im Sommer auf Reisen geht, ist ein ziemlich neues Phänomen. Aber Urlaub hat auch viel mit einer alten christlichen Tradition zu tun: der Sonntagsruhe. Von Präses Manfred Rekowski

Die Füße kühlen im Pool, das Handtuch ist ausgelegt, die Sonnencreme glänzt auf der Haut. Aus den Büros und von anderen Arbeitsplätzen ging es für viele zu Beginn der ersten Ferienwoche bereits direkt in den Urlaub. Am letzten Schultag verzeichnete allein der Düsseldorfer Flughafen mehr als 700 Starts und Landungen.

Nicht alle suchen Entspannung, Erholung und Abwechslung in der Ferne. Deutschland ist mit seinen Stränden, Seen und Mittelgebirgen als Reiseland in jüngster Zeit immer beliebter geworden, und das nicht nur für Rad- und Wandertouristen. Urlaub hat nur einen Nachteil: Er kostet Geld. Deshalb bleibt eine Fahrt ans Mittelmeer, an die Nordsee oder in die Eifel für manche Familien ein unbezahlbarer Traum, weil sie arbeitslos sind oder zu wenig verdienen.

Eine Auszeit benötigen aber auch sie. Vielleicht sogar noch mehr als mancher, für den der Urlaub selbstverständlicher Bestandteil des Terminkalenders ist. Denn Armut belastet. Zahlreiche Kommunen, Kirchengemeinden, diakonische und soziale Träger bieten daher Stadtranderholung und andere Ferienangebote für daheim gebliebene Kinder an, um ihrem Alltag in der Ferienzeit etwas entgegenzusetzen.

Dass eine ganze Gesellschaft im Sommer vom Urlaub bestimmt ist, ist ein relativ neues Phänomen; erst mit der Industrialisierung beginnt das, was wir heute als Urlaub kennen. Missen wollen wir diese Zeit im Jahr nicht mehr. Wir dürfen uns freuen und die freien Tage genießen. Für Christinnen und Christen ist auch der Urlaub eine von Gott geschenkte Zeit.

"Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wann es Gott gefällt, uns überwältigendes irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen wurmstichig werden lassen", hat Dietrich Bonhoeffer Kritikastern ins Stammbuch geschrieben. Auch ohne Gott macht Urlaub Freude. Aber glauben Sie mir: Mit ihm ist er schöner.

Urlaub hat viel mit dem zu tun, was die christliche Tradition Sonntagsruhe nennt. Dabei geht es ja nur vordergründig darum, die Arbeit, die Mühsal des Alltags und das Wirtschaften ruhen zu lassen. Am Sonntag kommt der Mensch zu sich selbst, weil er keinem Zweck mehr dienen muss, keinem Gelderwerb, keinen Produktionszwängen. Das gilt für Angestellte, Arbeiter und Arbeitslose, aber auch den Chef. Deswegen ist auch der Urlaub ein wertvolles Gut. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Urlaubstage zweckfrei genießen, am Strand, am Pool, zu Hause oder wo immer Sie sich in diesen Tagen und Wochen aufhalten.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski schreibt hier an jedem vierten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

 
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