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Kolumne: Gott Und Die Welt
Der Sieg der Toleranz gegen den Terror

Sind die Terrorakte der Beginn neuer Religionskriege? Monotheistische Religionen neigten einst zur Gewalt. Dieses Konfliktpotenzial wurde gebändigt - mit der Kraft der Toleranz.

Es ist schon ein guter Morgen, wenn keine neuen Terroranschläge aus der Nacht nachgereicht werden. Aber der Tag ist ja noch lang und die Wahrscheinlichkeit nicht mehr gering, dass nicht irgendwo in der Welt erneut eine Bombe explodiert und Menschen aus ihrem Leben reißt. Jeder Anschlag ist ein Angriff auf unsere freie Lebensführung.

Jeder Anschlag stellt aber zugleich auch die Frage, ob das nun schon eine neue und noch unbekannte Form des Krieges ist oder bloß eine weitere Einzeltat. Uns gehen die Begriffe aus für all das, was nicht allein ein sprachliches Problem ist. Und das wiederum zeigt unsere Schwierigkeiten, alles, was seit Wochen geschieht, auch zu verstehen. Wir haben noch nicht gelernt, mit dem Terror umzugehen. Das ist einerseits gut und tröstlich, weil all diese Gewaltakte immer noch den Charakter von katastrophalen Ausnahmen haben. Andererseits macht es uns aber auch hilflos - im wahrsten Sinne sprachlos. Wer keine Worte findet, bleibt ohne Trost und ohne Hoffnung, etwas dagegen tun zu können. In solchen Augenblicken der Machtlosigkeit neigen wir dazu, Lösungen zu delegieren. Andere sollen es jetzt meistern. Sie sollen unser friedliches Leben wieder verlässlich herstellen.

Mit diesem Wunsch nach Sicherheit geben wir aber auch ein Stück Freiheit auf. Natürlich können wir die Terrorakte als Wahnsinnstaten bezeichnen, die mit dem Menschenverstand nicht mehr zu erfassen sind. Das ist Verständnisverweigerung als Selbstschutz.

Wir können aber auch fragen, ob es sich dabei schon um einen Religionskrieg direkt vor unserer Haustür handelt: Attentate im Dienste des vermeintlich richtigen Glaubens. Das Gewaltpotenzial monotheistischer Religionen - dazu gehören Christentum und Islam - schien gebändigt und der Toleranz gewichen zu sein. Dass der Glaube an den einen Gott nicht ausschließt, dass auch ein anderer Glaube respektiert und geachtet werden muss, ist vor diesem Hintergrund eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

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Quelle: RP
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