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Kolumne: Gott Und Die Welt
War doch alles nicht so gemeint!

Fotos: So wählte Amerika
Fotos: So wählte Amerika FOTO: afp
Düsseldorf. Donald Trumps Wahlkampfgetöse könnte auch leere Rhetorik gewesen sein. Uneigentliches Sprechen nennt man das und macht den, der es nutzt, vor allem unglaubwürdig.

Ja, ja, wahrscheinlich wird doch alles nicht so gemeint gewesen sein, heißt es jetzt. Oder auch: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Und viele sind nach den ersten betulich-großmütigen Auftritten Donald Trumps wieder ein bisschen beruhigt, nachdem ihnen der Wahlsieg einen gewaltigen Schrecken in die Glieder fahren ließ. Doch mit der Beschwörung, dass vor allem das Unverschämteste doch eh nur lautes Wahlgetöse sein könnte, entlarven wir uns selbst. Indem wir auch diesen Wahlkampf, mit dem man sich um eines der einflussreichsten Ämter der Welt bewirbt, als Show degradieren. Als ob Worte nicht mehr befragt und schon gar ernstgenommen werden dürfen. Dass Statements jenes Mannes, der von entschieden zu vielen Amerikanern als Heilsbringer empfunden wird, bloß leere Rhetorik und taktisches Geschwafel sein sollen, darüber scheint es beim Sprecher sowie den Zuhörern ein tiefes Einverständnis zu geben. Ist dann eben so.

Uneigentliches Sprechen nennt man das, wenn nichts so gemeint ist, wie es gesagt wurde. Dieses Uneigentliche ist ein Armutszeugnis - vielleicht auch ein Symptom - unserer Zeit. Wenn nämlich Kommunikation ins Leere läuft und wenn das, was großsprecherisch bis marktschreierisch verkündet wird, am Ende folgenlos und verantwortungslos bleibt, verliert der Sprecher jede Glaubwürdigkeit - und das im wahren Wortsinn: Er erscheint nicht mehr würdig zu sein, dass man an ihn glaubt. Und trotzdem ist es so, dass der Wahlsieg diese große Niederlage wieder wett- und alsbald vergessen macht.

Glaubwürdig sein ist ein hohes Gut. Und seine Wurzeln sind natürlich in Gottes Botschaft zu finden. Wenn man es so salopp formulieren will: In gewisser Weise schickte Gott seinen Sohn auf eine Art "Wahlkampftour". Und sein Programm waren die Zehn Gebote. Dieser Dekalog ist so ungeheuerlich und revolutionär, dass er nach über 2000 Jahren noch immer nicht vergessen ist. Seine Aktualität zeugt aber auch davon, dass er noch immer erinnernswert, also keineswegs umgesetzt ist. Überdies ist sein Absender ansprechbar und verantwortlich geblieben. Das Vaterunser ist das einzige Gebet, dass Jesus seine Jüngern zu beten lehrte. Aber nicht um Ehrfurcht vor Gott zu mehren - im Gegenteil: Gott wird uns zum Vertrauten; wir dürfen ihn im großen Du wiederfinden. Was für eine überwältigende Nähe! Auch darin besteht Glaubwürdigkeit und besteht die Eigentlichkeit der Worte. Sicher, dieser Bogen zu Trump ist riesig. Doch wem er in den Sinn kommt, wird nachdenklich werden.

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Quelle: RP
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