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Kolumne: Gott Und Die Welt
Eine Einladung Jesu Christi

Köln. Katholiken, die am vermeintlich höchsten evangelischen Feiertag, dem Karfreitag, die Wäsche raushängten, und Protestanten, die diesen konfessionellen Affront an hohen katholischen Feiertagen mit gleicher Münze heimzahlten: Das war so in unserem Land vor noch gar nicht langer Zeit.

Auch an die weiße Linie auf dem Schulhof, die mancherorts die Konfessionen trennte, können sich noch viele erinnern. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, infolge der Kirchenspaltung sind Menschen wegen ihres abweichenden Bekenntnisses unterdrückt, verfolgt, vertrieben und sogar getötet worden.

Das ist Geschichte. Aber manchmal blitzt die eigene Profilierung auf Kosten der Christenmenschen von der anderen Postleitzahl noch auf. Und ja: Ich bin als evangelischer Christ davon überzeugt, dass die Einladung Jesu Christi an seinen Tisch, den Abendmahlstisch, nicht von Weihepriestertum und apostolischer Sukzession abhängig ist. Aber dieses Kirchen-, Amts- und Abendmahlverständnis macht mich nicht zum besseren Christen, sondern ist Ausdruck meines Glaubenslebens. In dessen Mittelpunkt steht der Glaube an Jesus von Nazareth, in dem Gott zur Welt gekommen ist, in dem er das Beispiel gegeben hat, wie ein Leben in Liebe aussieht, das dem Frieden und der Gerechtigkeit dient. In dessen Tod und Auferstehung liegt meine Hoffnung begründet, dass mit dem Tod nicht alles einfach aus ist. Das ist auch das Zentrum des Glaubens der katholischen Geschwister. Warum sollte ich mich also auf deren Kosten profilieren?

Der Mönch Martin Luther hat diesen Mittelpunkt des Glaubens, nämlich Jesus Christus, der Kirche wieder in Erinnerung gerufen. Im kommenden Jahr blicken wir dankbar auf diesen Weckruf zurück und gedenken 500 Jahren Reformation. Seit der konfessionellen Trennung, die 1517 mit Luther ihren Anfang nahm, begehen wir das erstmals gemeinsam mit den katholischen Geschwistern. Wir feiern mit Buß- und Versöhnungsgottesdiensten. Wir feiern die Reformation als Christusfest, denn Jesus Christus steht im Mittelpunkt unseres Glaubens, den wir auch weiter unterschiedlich geprägt leben. Aber wichtiger als konfessionelle Abgrenzung ist es, dass unser gemeinsamer Glaube durch unser Tun und Lassen, durch Nächstenliebe und Gerechtigkeit in die Welt wirkt - damit wir Beispiel davon geben, wie Menschen leben sollen. Das hat die Welt der Kriege und Katastrophen, des Hungers und der Ungerechtigkeit bitter nötig - um Gottes und der Menschen willen.

Die Reformation als Christusfest haben wir in dieser Welt der Kriege und Katastrophen, des Hungers und der Ungerechtigkeit nötiger denn je.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski schreibt hier an jedem vierten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie dem Autor: kolumne@rheinische-post.de

Quelle: RP
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