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Kolumne Gott Und Die Welt
Herr Lot und seine heilige Gastfreundschaft

Kolumne Gott Und Die Welt: Herr Lot und seine heilige Gastfreundschaft
Unser Autor Lothar Schröder. FOTO: Schröder
Düsseldorf. Die biblische Geschichte von Frau Lot hat eine Vorgeschichte. Sie erzählt von Flüchtlingen und davon, wie Fremdheit in Zukunft verwandelt wird. Von Lothar Schröder

Kennen Sie die Geschichte von Frau Lot? Wer nicht! Das ist die Geschichte jener Frau, die bei der Flucht aus der verruchten und von Gott verdammten Stadt Sodom sich noch einmal umschaut. Obwohl die Engel ihr dies ausdrücklich verboten haben. Das Gottesurteil ist ungewöhnlich hart: Frau Lot erstarrt tatsächlich zur Salzsäule. Und das ist eine dezente Beschreibung fürs Sterben.

Eine komische Geschichte, an der schon viele rumgedeutelt und in der Salzsäule eine Strafe für die Missachtung der Gebote Gottes gesehen haben. Noch spannender und rätselhafter an der Geschichte aber ist ihre unbekannte Vorgeschichte. Denn es gibt auch einen Herrn Lot und zwei Töchter, die auf der fatalen und bekannten Flucht eher Nebenfiguren sind. Die Vorgeschichte beginnt am Abend, als zwei Fremde Sodom betreten und Lot vor seinem Haus treffen. Und der lädt die zwei (ohne zu wissen, dass es Engel sind) in sein Haus ein; zunächst sogar gegen deren Willen.

Das mögen die übrigen Einwohner der Stadt ganz und gar nicht und fordern Lot auf, die Fremden wieder wegzuschicken. Sie drohen gar mit Gewalt und versuchen, das Tor seines Hauses aufzubrechen. Eine Szene, wie sie sich viele Hundert Jahre später vor dem Flüchtlingsheim in Hoyerswerda zu wiederholen scheint.

Lot aber beschützt nicht nur seine fremden Gäste; er ist bereit zu einer unbegreiflichen Tat: Er bietet dem Mob seine beiden noch jungfräulichen Töchter an, um so die Fremden zu retten. Das allerdings scheint dann doch zu viel des Guten zu sein. Keineswegs für Lot, dem die Gastfreundschaft nicht nur lieb und teuer ist, sondern eben auch heilig. Das heißt: Ohne Vorbehalt und ohne jede Einschränkung gewährt er den Fremden Schutz.

Er ist auf eine Weise selbstlos, wie sie uns schmerzt und auch Widerstand in uns weckt. Lot aber zögert nicht. Die Gastfreundschaft ist ihm eine Selbstverpflichtung. Nur einen Tag später wird er selbst zum Flüchtling und in Folge der Flucht auch zu einem Fremden. Sein eigenes Handeln aber macht ihn zuversichtlich. Seine heilige Gastfreundschaft stärkt auch sein Zutrauen in die Menschen.

Seine Frau, die zunächst keine Rolle spielt und auch namenlos bleibt, klammert sich daran, was gewesen ist. Ihr Festhalten am vergangenen Glück macht sie bewegungslos: ganz konkret in der Form der Salzsäule und sinnbildlich in ihrem Kopf. Jede Flucht ist eine riesige Herausforderung, und für alle, die eine Heimat haben, wird sie unbegreiflich sein. Doch jede Gastfreundschaft hilft, Fremdheit in Hoffnung und Zukunft zu verwandeln. Lot ist das Beispiel einer heiligen Gastfreundschaft. Unsere Gegenwart stellt uns die Bewährungsprobe.

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Quelle: RP
 
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