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Kolumne: Hier In Nrw
Als Clement von der Magnetschwebebahn träumte

Während der Fußball-Europameisterschaft muss ich gelegentlich an 2006 denken: Damals war Deutschland Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft; zahlreiche Spiele fanden in nordrhein-westfälischen Stadien statt. Pünktlich zur WM hätte in NRW eine superschnelle Magnetschwebebahn für den Personentransport sorgen sollen.

Das war jedenfalls der Traum des an Visionen nicht armen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (damals SPD). Der bis zu 300 km/h schnelle "Metrorapid" sollte über eine 79 Kilometer lange Strecke Düsseldorf und Dortmund verbinden -allerdings mit Stopps in allen größeren Städten, weshalb rasch Zweifel aufkamen, ob eine solche "Bimmelbahn" wirklich das angemessene Verkehrsmittel sei. 2003 schloss Clements Nachfolger Peer Steinbrück den Aktendeckel über dieses milliardenschwere Magnet-Projekt, das keine ausreichende Anziehungskraft entfalten konnte.

Noch immer diskutiert wird ein anderes Verkehrsprojekt - der Eiserne Rhein. Schon Clement wollte die Strecke zwischen Ruhrgebiet und dem Hafen im belgischen Antwerpen reaktivieren. Doch es gibt eine Menge Probleme: mit den Niederlanden, mit Naturschützern und nicht zuletzt mit den Anwohnern in den niederrheinischen Städten, die zusätzliche Lärmbelastung fürchten. Außerdem ist die Finanzierung unklar. Während das Land das Vorhaben für vordringlich hält, zeigt sich der Bund, der einen erheblichen Teil der Mittel bereitstellen müsste, zurückhaltend. Derweil rostet der Eiserne Rhein weiter vor sich hin.

Das Projekt Rhein-Ruhr-Express (RRX) scheint dagegen endlich an Fahrt zu gewinnen. Schon zu Zeiten von CDU-Verkehrsminister Oliver Wittke (2005 bis 2010) war über die Innenausstattung der Züge und die Farbe der Sitzbezüge spekuliert worden. Damals galt es als denkbar, dass der RRX ab 2015 auf der Kernstrecke zwischen Dortmund und Köln via Düsseldorf verkehren könnte. Immerhin hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) 2004 in Düsseldorf das Signal auf Grün gestellt. Doch längere Zeit stand der RRX auf dem Abstellgleis. Nun werden die Planungen konkreter. Im neuen Bundesverkehrswegeplan sind dafür 1,7 Milliarden Euro vorgesehen. Geplant ist, dass die ersten Vorläufer des RRX 2018 anrollen. Oder wird es doch erst 2020? Dann findet die nächste Fußball-EM in Deutschland und zwölf weiteren europäischen Ländern statt.

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Quelle: RP
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