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Kolumne: Hier In Nrw
Henriette Reker sollte Polizeischutz bekommen

Ihr Mitgefühl für die Opfer der Pariser Anschläge verbindet die neue Kölner Oberbürgermeisterin mit einem Appell zu Toleranz und friedlichem Miteinander. Gleichwohl wird sie Polizeischutz brauchen.

Unzählige Menschen haben nach den unfassbaren Mordanschlägen in Paris ihr Mitgefühl und ihre Trauer bekundet. Von den vielen Erklärungen hat mich eine besonders berührt: die der neuen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Es ist gerade einmal einen Monat her, dass die 58-jährige Juristin einen Tag vor der OB-Wahl in ihrer Heimatstadt Köln im Straßenwahlkampf von einem Mann mit einem Messer am Hals schwer verletzt wurde. Im Krankenhaus wurde sie notoperiert - und anderntags von den Bürgern zum neuen Oberhaupt der Domstadt gewählt.

Ihre Genesung machte gottlob Fortschritte, so dass sie inzwischen in die Reha überwechseln konnte. Reker hat darum gebeten, ihr diese Ruhephase zu gönnen und sie nicht zu stören. Seither hat man nichts mehr von ihr gehört. Bis vergangenen Sonntag. Da wurde ihr Brief an die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, bekannt. Sie trauere mit den Familien und Freunden der Opfer und bete, dass sie Beistand und Trost fänden, schreibt Reker darin, und weiter: "Ganz besonders fühle ich auch mit den vielen Verletzten. Ich weiß selbst, was sie nun durchmachen müssen."

Es ist bezeichnend für diese tapfere Frau, die viel Schlimmes durchstehen musste, dass sie nicht voll Bitterkeit zurückblickt, sondern mutig nach vorne schaut: "Trotz dieser Orgie von Gewalt dürfen wir uns nicht von denen einschüchtern lassen, denen Toleranz und ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen ein Dorn im Auge sind", betont sie. Diese Mahnung bildet zugleich das Herzstück ihres "Regierungsprogramms" für die Zeit, da sie endlich die Amtskette anlegen und die Dienstgeschäfte aufnehmen kann. Den Kölnern schärft sie ein: "Nur wenn wir klar und deutlich für Freiheit, Toleranz und ein friedliches Miteinander in unserer Stadtgesellschaft einstehen, werden wir ihnen ihren Triumph nehmen."

Hut ab vor dieser willensstarken Oberbürgermeisterin mit einem klaren inneren Kompass. Sie weiß, dass der Messerstecher sie hat töten wollen und zudem in seinem Wahn noch glaubte, der Allgemeinheit einen Gefallen zu tun: Die frühere Sozialdezernentin, die für Flüchtlingsfragen zuständig war, sei mitschuldig, wenn das Land "endgültig zum Islam überläuft", hatte der Mann der Polizei zu Protokoll gegeben.

Er wird hoffentlich seine gerechte Strafe erhalten. Henriette Reker aber sollte künftig Polizeischutz in Anspruch nehmen, um bei ihren öffentlichen Auftritten abgesichert zu sein. Gleichwohl kann es keinen absoluten Schutz geben. Diese nüchterne Erkenntnis ist der hohe Preis, den Politiker zahlen müssen.

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Quelle: RP
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