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Kolumne: Hier In NRW
Lindner und Laschet auf "Halbdistanz"

Düsseldorf. Mit einem Jamaika-Bündnis in Berlin hätte Armin Laschet im Bund deutlich an Einfluss gewonnen. Aber nun will sein Duzfreund Christian Lindner lautstark Opposition machen. Von Thomas Reisener

Als die Jamaika-Verhandlungen in Berlin platzten, stand NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Wir waren sehr, sehr nahe an einer Einigung", sagte er damals und äußerte Unverständnis über die Absage der FDP an ein schwarz-gelb-grünes Bündnis.

Laschets Chance war diese: Mit seinem Duzfreund Christian Lindner hätte er an der eigenen Partei vorbei einen zweiten Brückenkopf im Berliner Regierungslager gehabt. Zusammen mit dem FDP-Chef hat Laschet die "NRW-Koalition" aufgebaut. Beide kennen und schätzen sich nicht nur, sondern haben in ihrem Düsseldorfer Koalitionsvertrag auch gemeinsame Forderungen an die Bundesregierung adressiert. Innerhalb einer Jamaika-Koalition hätten der mächtigste CDU-Ministerpräsident Laschet und die FDP-Nummer eins Lindner ein gemeinsames Polit-Projekt repräsentiert.

Unter den Vorzeichen einer großen Koalition aber wird diese Politiker-Freundschaft abkühlen. Lindner wird sie zumindest zum Teil seinem Profil als Oppositionsrebell opfern. Denn Lindner will die FDP an der CDU vorbei als das eigentliche Sprachrohr der bürgerlichen Mitte positionieren. Im neuen Bundestag strebt er die Rolle des Oppositionsführers an. Dafür muss er Bundeskanzlerin Angela Merkel und mit ihr die ganze Merkel-CDU, die aus seiner Sicht ohnehin fast eine zweite SPD geworden ist, permanent frontal angreifen. Lindner wird dabei all die Schlagkraft einsetzen, die ihm sein rhetorisches Ausnahme-Talent ermöglicht. Und mit seinen Attacken auf Merkel wird Linder immer auch Laschet treffen, der stellvertretender Bundesvorsitzender dieser Merkel-CDU ist.

Offen ist, wie die FDP in NRW diesen Spagat meistern will. Gestärkt wird die schwarz-gelbe Koalition in NRW durch Lindners absehbare Fundamentalopposition gegen die CDU in Berlin jedenfalls nicht. Welche Auswirkung die neue Lage auf das persönliche Verhältnis von Laschet und Lindner hat, zeigte sich schon unmittelbar nach dem Platzen der Jamaika-Verhandlungen. Als Laschet den Vorgang öffentlich mit Unverständnis quittierte, wies Lindner ihn - ebenso öffentlich - zurecht. Anders als er, Lindner, sei Laschet im engsten Verhandlungskreis ja nicht dabei gewesen. Laschet urteile nur aus der "Halbdistanz", so Lindner . Mit diesem Begriff dürfte Lindner wohl auch die Überschrift für sein künftiges Verhältnis zu Laschet vorgegeben haben.

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Quelle: RP
 
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