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Kolumne "Hier In NRW"
NRW verliert an Bedeutung

Die Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte und Ulrich von Alemann legen den Finger in die Wunde. Sie vermissen die ausgeprägte Handschrift des bevölkerungsreichsten Bundeslandes in Berlin.

Hunderttausende von Menschen haben vor wenigen Wochen in Düsseldorf 70 Jahre NRW gefeiert. Und das Feiern geht weiter: 70 Jahre alt/jung ist auch die CDU-Landtagsfraktion, die am Freitag zu einem Festakt einlädt.

Mit dabei ist die CDU-Bundesvorsitzende, Kanzlerin Angela Merkel. Nächste Woche erinnert Bundestagspräsident Norbert Lammert daran, dass der von den Briten ernannte Landtag am 2. Oktober 1946 im Düsseldorfer Opernhaus zu seiner ersten Sitzung zusammenkam.

70 Jahre NRW waren auch für den Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann Anlass, sein im Jahr 2000 erschienenes Buch gründlich zu überarbeiten. Herausgekommen ist ein kurzweiliger geschichtlicher Abriss mit einer breiten, topaktuellen Bestandsaufnahme ("Nordrhein-Westfalen. Ein Land blickt nach vorn", Kohlhammer-Verlag, 255 Seiten, 22,99 Euro).

Der Duisburger Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte kam bei der Buchvorstellung auf einen Aspekt zu sprechen, der scheinbar im Widerspruch zum Potenzial von NRW steht. Korte sprach von einem Bedeutungsverlust des Landes; mit dem Wechsel der Hauptstadt von Bonn nach Berlin sei ein Machtverlust einhergegangen. So fehle es etwa an "innovativen Bundesratsinitiativen" aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

Früher, so auch Alemann, kamen NRW-Politiker aus der Bundespolitik (wie "Zukunftsminister" Jürgen Rüttgers), oder sie drängten in die Hauptstadt (Johannes Rau, Wolfgang Clement und Peer Steinbrück). Hannelore Kraft indes will karrieremäßig nichts mit dem Bund zu tun haben.

Sie werde "niemals Kanzlerkandidatin", hat sie schon vor Jahren beteuert, als viele in der Partei das noch herbeisehnten. Ihr Herausforderer Armin Laschet hat die Absage als "Selbstverzwergung" kritisiert. Das kann man auf Kraft, aber auch auf das Land beziehen.

Es passt zu dem Befund Machtverlust, dass aus NRW bislang kein Vorstoß zu vernehmen ist, wer neuer Bundespräsident werden soll. NRW hält sich vornehm zurück. Es würde nicht verwundern, wenn die selbstbewusste bayerische CSU bald mit einem Namen vorpreschte.

Übrigens hätte die Union aus CDU und CSU die Chance, in der Bundesversammlung gleich im ersten Wahlgang eine Entscheidung herbeizuführen, sofern sie sich mit den Grünen auf einen Kandidaten verständigen könnte. Korte denkt an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der den Grünen angehört. Doch warum nicht auch dessen hessischer Kollege Volker Bouffier(CDU)? Wie auch immer: Schwarz-Grün - das könnte Armin Laschet nach der Wahl am 14. Mai 2017 wohl recht gut gefallen.

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Quelle: RP
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