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Kolumne: Hier In Nrw
Ob Paul McCartney noch sauer ist auf mich?

Ob Paul McCartney noch sauer ist auf mich?
Paul McCartney kommt im Mai auf seiner Tour auch in Düsseldorf vorbei. FOTO: dpa, fa hk htf
Als der Ex-Beatle mit seiner Truppe Wings vor vielen Jahren von Solingen nach Düsseldorf fahren wollte, bot ich der Truppe meine Lotsendienste an. Ich hätte mich vorher besser erkundigen sollen.

Als ich jetzt las, dass Ex-Beatle Paul McCartney (73) demnächst in Düsseldorf auftritt, musste ich an eine lange zurückliegende Begebenheit denken, die mir immer noch peinlich ist. Ob Paul noch sauer auf mich ist?

Im August 1972 war's. Ich war damals Jungredakteur bei der "Solinger Morgenpost" und weiß noch genau, wie mich der Anruf elektrisiert hat. Der Informant ließ wissen, dass Paul mit seiner damaligen Frau Linda und der Gruppe Wings im Rahmen einer Europatournee auf "Burg Hohenscheid" zu Gast sei.

Sofort eilten ein Fotograf und ich ins Hotel, doch unsere Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Obwohl es schon später Vormittag war, ließ sich Paul nicht blicken. Also hieß es warten. Endlich kam er - barfuß, salopp mit schwarzem Anzug, eine bunte Perlenkette auf der nackten Brust.

Offenbar bester Laune ging der Oberbeatle schnurstracks in die Küche und griff zur Pfanne. Gekonnt briet und wendete er ein paar Spiegeleier - halt englische Art. Die Gegenwart der Presse störte ihn nicht. Im Gegenteil: Bald darauf kam einer seiner Mitarbeiter auf mich zu und fragte nach dem Weg zur Konzerthalle in Düsseldorf.

Ich bot mich sofort an, die Truppe dorthin zu führen. Bald darauf fuhr ich mit meinem roten Käfer los, hinter mir der beige VW-Bulli. "Mannomann", dachte ich, "wenn einer wüsste, wen ich da im Schlepptau habe".

Etwa eine Stunde später waren wir da. Der Parkplatz an der Philipshalle (so hieß damals die jetzige Mitsubishi Electric Halle) war gähnend leer, aber das irritierte mich nicht, denn das Konzert sollte ja erst am Abend stattfinden. Ich verabschiedete mich von der Pop-Truppe per flotter Handbewegung und bekam als Dankeschön eine Einladung für den Abend zugerufen. Ein Traum.

Was in den folgenden Stunden bei Paul und den Wings vor sich ging, weiß ich nicht, kann es aber ahnen. Ich weiß nur, dass ich am Abend zwar stark verspätet, aber umso erwartungsvoller zur Philipshalle kam, auf deren Parkplatz immer noch kein Auto stand. "Hallo, ist da wer?" Endlich erwischte ich einen Hausmeister, der mir Beunruhigendes mitteilte: "Hier spielt heute keiner." Die Wings, da war er sich sicher, gastierten in der Tonhalle am anderen Ende der Stadt.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Was mochte die Truppe wohl über meinen Lotsendienst gedacht haben? Meine Strafe folgte auf dem Fuß. Ich musste mich mühsam durch die Innenstadt quälen, noch mühsamer einen Parkplatz finden und dann in den Eingang backstage gelangen. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um Paul mit "Lady Madonna" zu hören. Mein damaliger Lieblingssong war zugleich das Schlusslied der Wings.

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Quelle: RP
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