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Kolumne: Hier In Nrw
Silvester-Party mit Polizisten

Düsseldorf. Diesmal soll alles anders werden. Aus Köln sollen Silvester friedliche Bilder in alle Welt gesendet werden. Weit über 1000 Polizisten sollen den Platz am Dom sichern. Damit ist die Gefahr groß, dass dort mehr Sicherheitskräfte anzutreffen sind als Menschen in Feierlaune. Von Detlev Hüwel

Während der Düsseldorfer Landtag weiter bemüht ist, die Hintergründe für das Chaos in der Kölner Silvesternacht aufzuklären, bereitet sich die Domstadt längst auf den kommenden Jahreswechsel vor. Diesmal sollen friedliche Bilder aus der Domstadt in alle Welt gesendet werden. Das hofft jedenfalls Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Die Polizei wird mit einem riesigen Aufgebot in der City präsent sein. Von weit über 1000 Kräften ist die Rede. Ein solches Durcheinander bei den Sicherheitskräften wie im vergangenen Jahr gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Bundes- und Landespolizei waren sogar uneins darüber, welches Terrain sie im Bahnhofsbereich zu kontrollieren hatten. Irgendwann ist ihnen die Situation entglitten - der Kölner Hauptbahnhof verwandelte sich in einen nahezu rechtsfreien Raum.

Reker spricht jetzt von einer neuen "Sicherheitsarchitektur". Dazu gehört auch die weiträumige Absperrung des Platzes um den Dom zu Silvester. Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern soll strikt begrenzt werden. Es ist ja auch nach wie vor unbegreiflich, dass beim letzten Mal Randalierer ungehindert Raketen auf den Dom abfeuern konnten, in dem eine Messe stattfand.

Doch noch weitaus schlimmer waren die massenhaften Übergriffe von zumeist nordafrikanischen Tätern auf Frauen und Mädchen. Viele von ihnen leiden noch immer unter traumatischen Qualen. Für die Opfer wäre es mit Sicherheit eine große Erleichterung, wenn ihre Peiniger vor Gericht gestellt und hart bestraft würden. Doch danach sieht es nicht aus. Nur eine Handvoll Männer konnte bislang verurteilt werden. Allzu viele blieben in dem Chaos, das in jener Nacht herrschte, unerkannt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der unlängst als Zeuge im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Silvesternacht aussagte, hat deshalb völlig recht, wenn er mehr Videoüberwachung, Körperkameras für die Polizei und die Ausleuchtung neuralgischer Plätze fordert. Flutlicht für den Bahnhofsbereich war der Polizei voriges Mal wegen "Kapazitätsengpässen" versagt worden. Das darf nicht noch einmal passieren.

Bleibt die Frage, wie viele Besucher sich zum Jahreswechsel in die Kölner City trauen. Werden dort mehr Polizisten und Journalisten anzutreffen sein als Menschen in Feierlaune? Auch NRW-Innenminister Ralf Jäger scheint vom Horror Vacui befallen zu sein. Er rät der Stadt, in Domnähe "kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, so dass das Wahrzeichen von Köln nicht wie ein abgesperrter, menschenleerer Raum wahrgenommen wird".

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Quelle: RP
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