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Kolumne: Mit Verlaub!
Drastisch gegen Raser und Drängler vorgehen

Kolumne: Mit Verlaub!: Drastisch gegen Raser und Drängler vorgehen
FOTO: Michels
Düsseldorf. Die Deutschen belehren gerne andere. Sie sollten sich selbst belehren lassen und endlich bei einem europäischen Tempolimit 130 mitmachen. Von Reinhold Michels

Vor Kurzem machte ein deutscher Urlaubs-Heimkehrer im Internet seinem Zorn Luft über das Drängler- und Raserunwesen auf unseren Straßen – bevorzugt Autobahnen. Was mich wunderte und angenehm überrascht hat, waren die Reaktionen: überwiegend Zustimmung, mehrheitlich geäußerte ähnliche Erfahrungen mit Verkehrsteilnehmern, die in ihrem kollektiven Irresein zu Gefährdern hinterm Lenkrad zählen.

Der konsternierte Urlaubs-Heimkehrer hatte im In- und angrenzenden Ausland gut 2000 Kilo drastisch gegen raser meter Streckenerfahrung gesammelt und deutlich gemacht, dass er keinesfalls zur Kategorie der gewohnheitsmäßigen Pkw-Schleicher zählt, die auch Gefährder sein können, sondern gerne zügig unterwegs ist. Nur, auch die zügig Fahrenden, die sich beispielsweise "erdreisten", mit 140 Stundenkilometer auf der linken Spur vorwärts zu kommen, seien blödsinnigen Rasern und frechen Dränglern oft ein Ärgernis.

Mir kommen Letztere in Ihrem Platz-da-Weg-da!-Habitus wie automobile Trumpisten vor. So wie der Platz hinterm Schreibtisch im Oval Office Charakterschwächen nicht zügelt, sondern ihnen die Sporen gibt, so verstärkt auch der Fahrersitz im Auto nicht selten die Unreife desjenigen, der dort Platz genommen hat.

Der neue Polizeipräsident in Köln, Uwe Jacob, hat vor wenigen Tagen im RP-Interview dafür plädiert, auf Autobahnen ein generelles Tempolimit von 130 km/h einzuführen, wie es in den allermeisten Ländern rund um das Raser-Eldorado Deutschland üblich ist. Der erfahrene Polizeibeamte Jacob begründete das zu Recht damit, dass strikte Tempobegrenzung zu stressfreierem Fahren, zu besser fließendem Verkehr und zu weniger Unfällen führe.

Wir Deutsche sind bekannt und im Ausland auch berüchtigt dafür, dass wir gerne andere Menschen und Länder belehren. Warum lassen wir uns nicht einmal von den guten Erfahrungen europäischer Partnerstaaten mit Tempolimits überzeugen? Den alten Unsinns-Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" formuliert doch nicht einmal mehr dessen Erfinder, der ADAC. Ein europaweites 130-Tempolimit auf Autobahnen müsste technisch energisch überwacht werden, so wie in Frankreich.

Auch bei den Kosten für Raserei sollte sich Deutschland endlich europäisch verhalten. Wer etwa 50 Kilometer zu schnell gefahren ist, zahlt bei uns ab 240 Euro. Zum Vergleich: Frankreich (1500); Italien (ab 530); Niederlande (ab 660); Spanien (ab 600). Der Mensch, also auch der Autofahrer, ist aus krummem Holz. Manchmal muss man ihm die Vernunft eben drastisch beibiegen.

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