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Kolumne: Mit Verlaub!
Einen Richter für Jan B., bitte!

Kolumne: Mit Verlaub!: Einen Richter für Jan B., bitte!
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Düsseldorf. Ein Blick in die säuischen Verse eines Komikers gegen den türkischen Staatschef erleichtert die Rechtsfindung. Die zunehmenden Sudeleien von Ehrabschneidern gegen Normalmenschen und Prominente sollten bestraft werden. Von Reinhold Michels

Manchmal glaubt man, man befinde sich in Deutschland auf einem Narrenschiff. Das halbe Land diskutiert seit mehr als einer Woche über das, was der Komiker- Blässling Jan B. gegen das, zugegeben, politisch nicht rundum sympathische Staatsoberhaupt der Türkei gereimt hat. Satire sei oder rechtswidrige Herabwürdigung eines Menschen? Ich behaupte: Ein Blick auf die säuischen Verse erleichtert die Rechtsfindung.

Wer sich erfolgreich auf die Suche nach dem kaum Zitierfähigen begeben hat, und Gefallen daran findet, vielleicht gar einen Hauch künstlerisch wertvollen Witzes wahrnimmt, der gehört entweder zu einer blasierten Kultur-Schickeria zwischen Potsdam und Köln, oder möchte gerne vor der heimischen Schrankwand sitzend, mit der Bierdose an den Lippen so begnadet pöbeln können wie sein aktuelles Sudel-Idol Jan B. "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu."

Hat jemand aus dem Kreis der blasierten Kultur-Schickeria oder einem zunehmend unverfrorener hetzenden, sprachlich ungelenken Facebook-Pöbel nur eine halbe Minute darüber nachgedacht, wie ihm zumute wäre, zöge ihn jemand öffentlich so ekelerregend durch den Dreck, wie Komiker Jan B. das mit dem Politiker Erdogan gemacht hat?

Wann hört endlich der Unfug auf, dass in Fällen wie diesen immer wieder Kurt Tucholskys falsche Behauptung, Satire dürfe alles, als Rechtfertigung für intellektuelle Umweltverschmutzung jeglicher Art zitiert wird? Mitnichten darf Satire alles. Mit Verlaub! Muss man wirklich betonen, dass die im Grundgesetz-Artikel 5 geschützte Presse- und Meinungsfreiheit nicht uneingeschränkt gilt? Ist es nicht auch ein Beleg für die Infantilierung der öffentlichen Debatte in Deutschland, wenn Unterstützer-Aktivisten Jan B. zum Kämpfer für das freie Wort stilisieren. Das Bürschchen hat mit großen Satirikern soviel gemein wie ein Chorknabe mit Caruso. Wenn die Jan B's. dieser Welt und ihre Nachäffer unsanktioniert die Menschenwürde anderer verletzen dürfen, dann erst wäre die Freiheit in Gefahr. Denn die Freiheit zu tun, was einem gerade durch den Kopf schwirrt, hört aus gutem Grund bekanntlich an der Nasenspitze des Anderen auf.

Anfang des Monats wurde ein Jüngling, der in den oftmals asozialen Netzwerken für die öffentliche Steinigung von Kanzlerin Angela Merkel plädiert hatte, zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt. Ein gutes Urteil. Ich hoffe, dass auch Jan B. nicht ungestraft davonkommt.

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Quelle: RP
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