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Kolumne: Mit Verlaub!
Europa braucht den Schwung der Jugend

Kolumne: Mit Verlaub!: Europa braucht den Schwung der Jugend
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Düsseldorf. Die große Idee des vereinten Europa darf nicht von wichtigtuerischen Oldies wie Martin Schulz und Jean-Claude Juncker verkörpert werden. Wie wäre es mit einem Schulfach Europa? Von Reinhold Michels

Mit dem Thema Europa lässt sich gegenwärtig außerhalb der rufgeschädigten Funktionärsmetropolen Brüssel und Straßburg kaum politisch punkten. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits ein Jammer. Es erscheint nachvollziehbar, weil sich die europäische Staatenfamilie seit Monaten nicht wie eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, vielmehr wie ein Haufen nationalfixierter Ichlinge präsentiert. Es ist eine Schande, wie sich ein Großteil der EU-Mitgliedsländer aus der Verantwortung stiehlt, wenn es um die gerechte Verteilung von Flüchtlingen geht. Man versteht das Misstrauen, ja die Verachtung, die deshalb innerhalb der Gemeinschaft grassieren, die keine ist. Zu viele Europäer, die nicht zum Kreis der politischen Routiniers in Straßburg und Brüssel zählen, reagieren skeptisch und verächtlich, wo immer besagte Routiniers wie etwa EU-Parlamentspräsident Martin Schulz oder Kommissionschef Jean-Claude Juncker erscheinen, europapolitisch den Mund vollnehmen und im Schaum baden.

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Mit Verlaub, dass diese beiden ulkigen, wichtigtuerischen Oldies für das größte politische Nachkriegsprojekt auf dem Kontinent stehen, stimmt traurig. Wie sollte dieses trostlose Duo junge Menschen zwischen Stockholm, München, Amsterdam, Neapel und Málaga für Europa begeistern können? Wie gut, dass wir nicht vor einer Wahl des Europaparlaments stehen; es gäbe dann wohl in zweierlei Hinsicht ein Desaster: Radikalisierung der Wähler einerseits und Wahlabstinenz andererseits.

Da jedoch der Fortbestand einer großen, derzeit gefährlich kränkelnden Idee wie jener vom vereinten Europa zwar auch, aber erfreulicherweise nicht nur von den gerade handelnden Berufs-Europäern abhängt, ist eine Rekonvaleszenz nicht ausgeschlossen. Frische politische Kräfte in Paris, Berlin, Rom, Den Haag und Luxemburg müssten mit jungem Elan für die grandiose alte Idee auf die Barrikaden gehen. Gibt es für einen politisch engagierten jungen Europäer eigentlich eine lohnendere Herausforderung, als das Adenauer'sche Diktum "Europa muss geschaffen werden, und wir wollen Europa schaffen" mit neuem Leben zu füllen?

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Vielleicht ist auch der Vorschlag der im Rheinland lebenden Italienerin Erika Manassero nachdenkenswert: Die 44 Jahre junge Germanistin und Dolmetscherin aus Turin, die sich beiden europäischen Kernländern verbunden fühlt und im Düsseldorfer Verein "We are Europe" aktiv ist, regt ein Schulfach Europa an. Wer einen schönen Tannenbaum möchte, muss junge Schonungen pflegen.

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