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Kolumne: Mit Verlaub!
Karoline die Große

Karoline Mayer, Missionarin und Entwicklungshelferin in Chile, versprüht christlichen Spirit und Leidenschaft für die soziale Marktwirtschaft.

Beklagen wir nicht alle die Fülle an schlechten Nachrichten, die täglich auf uns niederprasseln? Umso erfreulicher sind News über Menschen, die anderen Menschen und - mit Verlaub, dies Pathos soll sein - der Menschheit Gutes tun. Ich habe bei der Handwerkskammer Düsseldorf einen solchen Menschen getroffen: Karoline Mayer (72). Man nennt die seit 1968 in den Armenvierteln von Santiago de Chile wirkende Missionarin und Entwicklungshelferin auch "die Mutter Teresa von Lateinamerika".

Wer ihr zuhört, wenn sie die Ignoranz vieler Wohlhabender in Chile gegenüber asozialen Verhältnissen beklagt und mit ihrer 1990 gegründeten Hilfsorganisation "Cristo vive" ("Christus lebt") zu bekämpfen verspricht, wird Handwerkskammer- Präsident Andreas Ehlert zustimmen. Während des Vortrags der zugleich zart und zäh wirkenden Frau entfuhr es Ehlert: "Sie haben ein konkretes Weltbild, wie ein Staat organisiert werden muss - das reicht von links bis zu Ludwig Erhard. Sie könnten auch Politikerin sein."

Ach, würden sich doch auch bei uns im Erfinderland der sozialen Marktwirtschaft Erhards mehr herausragende Christdemokraten so wie die Ehrenbürgerin Chiles Karoline Mayer für diese politisch-ökonomische Errungenschaft made in Germany ins Zeug legen.

Wer auf die teilweise extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit in der EU und dazu in oft müde wirkende Gesichter politisch Verantwortlicher blickt, den bewegt dieser Satz einer politisch engagierten Frau mit christlichem Spirit: "Ich möchte nicht eher sterben, bis wir in Chile allen jungen Leuten ab 16 Jahren eine berufliche Ausbildung bieten." In 14.000 Fällen seit 1991 ist das gelungen. Keiner der handwerklich gründlich Geschulten sei arbeitslos, berichtet Schwester Karoline.

Neben dem Ausbildungszentrum in Santiago schuf sie ein Sozialwerk für Obdachlose, Familien und Kranke, finanziert aus staatlichen Mitteln und Spenden. Die Handwerkskammer wirbt seit Jahrzehnten bei Mitgliedern um finanzielle Unterstützung und unterstützt über ihre Georg-Schulhoff-Stiftung die Bereitschaft junger deutscher Praktiker, für ein oder zwei Jahre ehrenamtlich Ausbildungshilfe in Santiago zu leisten. Thomas Köster, der bei der Kammer das Kompetenzzentrum soziale Marktwirtschaft leitet, meinte: "Manche mögen fragen, warum wir als Unternehmer für Menschen in Chile aktiv sind." Die Antwort gab Köster dann auch: "Ja wenn das keine Aufgabe von Unternehmen ist, sozialen Aufstieg durch (berufliche) Bildung zu sichern." Recht hat der Mann.

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Quelle: RP
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