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Kolumne: Mit Verlaub!
Kindische Anti-Tabak-Hysterie

Kolumne: Mit Verlaub!: Kindische Anti-Tabak-Hysterie
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Düsseldorf. Waffen ja, rauchen nein. Der vulgäre, nicht wirklich konservative potenzielle US-Präsident Donald Trump steht für einen närrischen Widerspruch, made in den Vereinigten Staaten. Von Reinhold Michels

Neulich auf einer sonnigen Party. Man saß im Freien. Ein Raucher unter lauter Nichtrauchern zog seine Zigarettenschachtel aus der Tasche und fragte höflich in die Runde: "Stört es euch?" Allgemeines Verneinen. Rauchen unter freiem Himmel – wen könnte das stören, außer vielleicht die Hypersensibelchen, die allein schon der Anblick eines Brauereigauls trunken macht.

Nachdem sich der Raucher eine zweite Zigarette angezündet hatte, ging eine sympathische Amerikanerin, die seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, entschieden auf räumliche Distanz: "Ich komme aus einem Land, wo man strikt gegen Rauchen ist", sagte sie und setzte sich für mein Empfinden ein wenig zu demonstrativ fernab von dem vermeintlichen Sünder. "Ach, die Amerikaner", schoss es mir durch den Kopf, "übertreiben die es nicht mit ihrer Anti-Tabak-Haltung?"

Ein paar Tage später las ich von der Verbrüderung des potenziellen amerikanischen Präsidenten Donald Trump (Nichtraucher, Alkohol-Abstinenzler, aber ein Mundwerk wie eine 45er Magnum) mit der einflussreichen Waffen-Lobby in seinem Land. Dort sterben jährlich mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen.

Und was meint Trump, der kein wirklicher Konservativer ist, wie es zum Beispiel Ronald Reagan war: Mehr Waffen bedeuten letztlich weniger Waffengewalt. Nun sind wir Deutsche mit unserer Lust an tempolimitfreier Autobahn-Raserei auch nicht frei von Irrsinn?

Aber die vielfach todbringende amerikanische Waffennarretei kontrastiert doch besonders auffallend mit der Anti-Tabak-Hysterie, die, wie könnte es anders sein, ostwärts über den Atlantik zu uns gekommen ist. Nun weiß jeder Mensch mit Vernunft und der Bereitschaft, sich zu informieren, dass Rauchen ungesund ist. Auch empfinden es mittlerweile selbst Raucher, wenn sie nicht ignorant sind, als angenehm, dass Gasthäuser gesetzlich zu tabakqualmfreien Zonen erklärt wurden. Aber dass ausgerechnet im so genannten Land der Freien (und der Waffennarren) die freie Entscheidung zum Genuss mit Risiken und Nebenwirkungen in die Nähe fast sittenwidrigen Verhaltens gerückt wird, erscheint mir immer wieder als paradox und auch kindisch.

Den Volkserziehern deutscher und europäischer Provenienz, die sonst gerne bei jeglicher Einschränkung ihres heiligen Selbstbestimmungsrechts aufschreien, kommt der Hysterie-Import aus der Neuen Welt recht. Die Anti-Raucher-Ideenschmieden haben geliefert: Tabak-Werbeverbote, Fotos des Grauens auf Zigarettenschachteln. Werden wir oft so penetrant Liberale es noch erleben, dass Rauchen bei Strafe verboten wird?

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