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Mit Verlaub!
Parusel kämpft für alle Lehrer

Mit Verlaub!: Parusel kämpft für alle Lehrer
FOTO: RP
In Kürze geht es vor dem Landgericht Düsseldorf um mehr als um Freispruch oder nicht für einen Einzelnen; es geht um Autorität von Staat und Staatsbediensteten. Von Reinhold Michels

Ende Januar sollten wir auf eine Verhandlung beim Landgericht Düsseldorf schauen und dem Lehrer Phillip Parusel die Daumen drücken. Es geht darum, ob und wie die Berufungsinstanz mit dazu beiträgt, dass Lehrer- Autorität wieder gestärkt oder ob sie "im Namen des Volkes" weiter geschwächt wird. In gut zwei Wochen steht also mehr auf dem Spiel als Sieg oder Niederlage eines Einzelnen in der zweiten Instanz.

Phillip Parusel kämpft für einen Freispruch vom Vorwurf der Freiheitsberaubung, und er streitet stellvertretend für mehr Respekt für seine Berufskollegen und gegen den Fortbestand einer Verwöhnpädagogik zugunsten noch der ärgsten Schüler-Flegel und deren Eltern. Letztere spannen allzu oft mitsamt ihren verzogenen Prinzchen und Prinzesschen den Stolperdraht, wenn es darum geht, Pädagogen wie Parusel juristisch zu Fall zu bringen.

Vor fünf Monaten hatte der Fall Parusel bundesweit Aufsehen erregt, nachdem das Amtsgericht Neuss den Lehrer wegen Freiheitsberaubung verurteilt hatte, weil er in der Musikstunde seine außer Rand und Band geratenen Sechstklässler eine Strafarbeit schreiben ließ und die Schüler deshalb über das Ende der letzten Unterrichtsstunde hinaus noch eine Weile im Klassenraum bleiben mussten.

Zwar hatte der Richter Sympathie für Lehrer erkennen lassen, denen respekt- und disziplinlose Schüler sowie verantwortungslose Eltern immer häufiger das Pädagogenleben zur Vorhölle machen; aber er hatte neben einer Verwarnung unter Strafvorbehalt zulasten Parusels diesem einen Fortbildungskurs zum Umgang mit schwierigen Schülern auferlegt.

Doch nicht der Pädagoge hat Weiterbildung dringend nötig, sondern die Schüler haben es, die erst mit Krawall einen vernünftigen Unterricht unmöglich machten und sodann mit ihren Handys die Polizei um Hilfe riefen. Verschärfte Fortbildung benötigten jene Erwachsenen, die wir leider bloß Erziehungs-Berechtigte und nicht auch -Verpflichtete nennen, die ihre mitunter aggressiv-verweichlichten Sprösslinge in ihrem Tun bestärken, statt sie gemeinsam mit Lehrern wie Parusel aufs Leben, das weder Ponyhof noch Narrenkäfig ist, vorzubereiten.

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