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Kolumne: Mit Verlaub!
Respekt vor einem "Hidden Champion"

Düsseldorf. Ein stiller Star des Mittelstandes wurde zum Siebzigsten in helles Licht gerückt. Laut wird der Stille nur, wenn er freies, sozial verantwortliches Unternehmertum verteidigt. Von Reinhold Michels

Es wird derzeit ja gerne berichtet, dass sich das zornige Volk von seinen Eliten abwende. Wie alle Verallgemeinerungen, so ist auch diese nicht ganz richtig. Von den "Hidden Champions", den unauffälligen Leistungsträgern, würde sich das Volk wohl selbst dann nicht distanzieren, wenn sie der Allgemeinheit bekannter wären oder bekannter gemacht würden. Verbreitet sind die stillen Stars in kleinen und großen mittelständischen Betrieben oder Organisationen. Indem die stillen Stars dort Führungs-Verantwortung ganz selbstverständlich wahrnehmen, mehren sie nicht nur den Nutzen dort, wo sie wirken, sondern indirekt weit darüber hinaus. Viel zu zaghaft läutet ihnen unsere Gesellschaft, für die sie Fundamente bauen und Stützpfeiler errichten, die Glocken.

Warum also soll das nicht einmal hier geschehen? Ich hatte vor wenigen Tagen das Vergnügen, an der Würdigung eines "Hidden Champion" teilzunehmen: Die Handwerkskammer Düsseldorf, einer der großen deutschen Verbände im Dienst des gewerblichen Mittelstandes, ehrte Thomas Köster. Wer wissen will, was eine wertkonservative Einstellung zu den Dingen des Lebens und was Wirtschaften in sozialer Verantwortung heißt, sollte den aus dem Sauerland stammenden, promovierten Volkswirt und Sohn eines Handwerksmeisters kennenlernen. Der langjährige Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer leitet an alter Wirkungsstätte das Kompetenz-Zentrum Soziale Marktwirtschaft. Einer der Laudatoren fragte, warum dieser nun 70-jährige Köster eigentlich nie Minister in NRW geworden sei. Das weiß der Himmel.

Köster gehört zu den stillen Leistungseliten; aber wenn es gilt, die soziale Marktwirtschaft als das entscheidende Erfolgsrezept für unseren Aufstieg in die Weltliga erfolgreicher Wirtschaftsnationen zu verteidigen, dann wird er laut. Und das ist gut so. Er brennt für mittelständischen Geist und für ein freies, verantwortlich handelndes Unternehmertum. Freiheit ohne Verantwortung ist Thomas Köster ein Gräuel; er führt rhetorisch eine scharfe Klinge gegen hier und da in Mode kommende unternehmerische Freibeuter, die Gewinne privatisieren, die Verluste jedoch sozialisieren wollen. Es belegt die Überzeugungskraft dieses bescheidenen Starken, dass seine Leidenschaft für eine freiheitliche, soziale, das unternehmerische Risiko tragende Wirtschaft sämtliche Kammerpräsidenten geprägt hat, denen Thomas Köster jahrzehntelang zur Seite stand. Mit Verlaub, so etwas ist nicht alltäglich, schon gar nicht sollte es verschwiegen werden.

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Quelle: RP
 
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