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Kolumne: Total Digital
Apple behält am Ende recht

Kolumne: Total Digital: Apple behält am Ende recht
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Berlin. Bald erscheinen die neuen kabellosen Kopfhörer von Apple. Der Konzern bricht mit einer lieb gewonnenen Gewohnheit der Fans. Die sind verärgert - doch das Unternehmen verfolgt ein bestimmtes Ziel.

Im Laufe des Monats kommen neue Kopfhörer von Apple auf den Markt, die seit einigen Wochen für viel Gesprächsstoff sorgen. Denn vor drei Wochen passierte in San Francisco, was immer passiert, wenn Apple mit neuen Geräten aufwartet: Tech-Journalisten aus aller Welt stürzten sich auf die Neuheiten. Diesmal vor allem auf das neue iPhone 7. Allerdings weniger, um zu beschreiben, was es Neues kann oder Neues hat, sondern was es nicht hat, nämlich einen Audioeingang für Kopf- oder Ohrhörer. Apple-Ingenieure haben den universalen Audiostecker einfach weggelassen. Stattdessen gibt es drahtlose Ohrhörer, sogenannte Air Pods. Die Folge: Vom billigsten No-Name-Ohrstöpsel bis zum teuersten "Noise-Cancelling-Gadget" benötigen jetzt alle herkömmlichen Kopfhörer ohne Bluetooth-Empfänger einen Adapter für den Anschluss an die Lightning-Buchse.

Der Aufschrei in der Apple-Gemeinde ist groß. Wie immer, wenn Apple mit einem neuen Gerät aufwartet und dabei mit einer lieb gewonnenen Gewohnheit bricht. Warum riskiert Apple, seine Fans zu vergrätzen? Es ist ja nicht so, als ob es nicht auch andere gute Smartphones für weniger Geld gäbe. Offiziell heißt es, mit dem Weglassen der Audiobuchse sei das iPhone 7 nun endlich wasserdicht, jedenfalls ein bisschen. Na super, das sind andere Smartphones der Oberklasse von Samsung oder Sony auch.

Ich glaube die angeblich wasserdichte Erklärung nicht. Hinter dem Weglassen steckt viel mehr, und das hat bei Apple Methode. Apple ist in erster Linie kein Tech-, sondern ein Lifestyle-Unternehmen, das cooles Design und elegante Bedieneroberflächen verkauft. Was dabei stört, muss weg. Das betrifft sowohl Hardware als auch Software. Wer nicht immer noch einen Uralt-Laptop nutzt, wird einen CD-Rom-Schlitz kaum noch vermissen. Oder mehrere USB-Eingänge. Oder einen Ethernet-Anschluss. All das hat Apple als erster Hersteller weggelassen, weil seine Vision schon auf den Horizont gerichtet war, an dem sich ein von Apple definierter, aber letztlich besserer Standard abzeichnete. Einst Sakrilege, allesamt. Und heute kräht kein Hahn mehr danach. Das Gleiche beim iPhone, das seit jeher keinen Flash-Player hat. Vermisst noch jemand Flash? Natürlich nicht, denn dank Apples damaligem Monopol auf dem Smartphone-Markt wurde der unsichere Player bedeutungslos.

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