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Total Digital
Das Datengewissen der Amerikaner erwacht

Alarmierende Hacks rütteln Amerikaner wach - Datenschutz gilt nicht mehr nur als Spinnerei der Europäer. Von Ulrike Langer

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht über Einbrüche in Datenbanken berichtet wird. Allein in den vergangenen Tagen erreichten uns diese Meldungen: FBI und CIA sind sich nun einig über die so gut wie sichere Erkenntnis, dass Russlands Präsident Putin persönlich hinter den gehackten Emails der Demokratischen Partei in den USA steckt und dieser Coup wahrscheinlich Hillary Clinton den Wahlsieg gekostet hat. Das Webportal Yahoo gibt auf Druck von außen zu, dass es in der jüngeren Vergangenheit nicht nur eine Attacke mit 500 Millionen offengelegten Nutzerkonten gab, sondern noch einen weiteren Einbruch in seine Datenbank, von dem eine Milliarde Email-Adressen betroffen waren - darunter auch Konten von Mitarbeitern der CIA, des FBI und der NSA.

Das ist kein Pappenstiel, denn dummerweise verschicken selbst auf Geheimhaltung von Daten eingeschworene Mitarbeiter von Regierungen, Bundesbehörden und Geheimdiensten mitunter sensibelste Informationen über kostenlose Webdienste mit völlig unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen.

Fehlender Datenschutz kann Identitätsklau begünstigen, diplomatische Verstimmungen auslösen oder Wahlsiege kosten. Für viele Amerikaner ist das eine verblüffende Erkenntnis, denn Datenschutz hat in den USA eine traditionell geringe Bedeutung. Dort gilt es als völlig normal, dass Daten von Nutzern ungefragt an Werbenetzwerke verkauft werden. Welcher entlassene Sexualstraftäter in welche Straße gezogen ist und wie viel mein Nachbar vor fünf Jahren für sein Haus bezahlt hat, all das und mehr kann ich im Internet nachschauen. Doch nun werden immer mehr Bürger hellhörig und halten Datenschutz nicht mehr bloß für eine versponnene Eigenart von Europäern. Fast kann man Putin dafür dankbar sein, dass sich diese Erkenntnis nun endlich auch in den USA durchsetzt.

In diesem Zusammenhang ist auch die anschwellende Kritik an selbstfahrenden Autos zu betrachten. Kalifornien will dem Ridesharing-Dienst Uber keine Testgenehmigung erteilen. Vordergründig geht es nur um zwei rote Ampeln, die ein selbstfahrender Wagen in einem Versuch in San Francisco missachtete. Aber dahinter steckt auch die tiefergehende Sorge, dass autonome Fahrzeuge gehackt werden und von Terroristen als rollende Waffen im Stadtverkehr eingesetzt werden könnten. Die Gefahr gestohlener Daten war bisher eher ein abstraktes Thema. Aber eine Flotte von ISIS gekaperten autonomen Autos - dieses Szenario rüttelt auch den letzten Amerikaner wach.

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Quelle: RP
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