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Kolumne: Total Digital
Eine Allianz gegen Google und Co. ist bitter nötig

Kolumne: Total Digital: Eine Allianz gegen Google und Co. ist bitter nötig
FOTO: Martin Ferl
Düsseldorf. Google, Amazon, Facebook und Apple dominieren das Internet - und liefern sich im Ringen um die Vormachtstellung bizarre Kämpfe. Leidtragende sind die Kunden. Eine Branche muss schleunigst Paroli bieten. Von Florian Rinke

Wir haben früher oft das Brettspiel "Risiko" gespielt. Zusammengefasst geht es darum, die anderen Mitspieler fertigzumachen und die Welt zu erobern. Wir spielten fast immer zu viert - und stets nach einem festen Muster: Wenn einer zu mächtig wurde, machten ihn die anderen klein. Die Rolle des "großen Bösen" wechselte im Spielverlauf permanent.

Ein ähnlicher Abnutzungskampf ist momentan bei vier anderen Spielern zu beobachten, die gemeinhin nur noch mit GAFA abgekürzt werden: Google, Amazon, Facebook und Apple. An der Börse sind sie umgerechnet rund 2,1 Billionen Euro wert, fast doppelt so viel wie die 30 Dax-Konzerne zusammen. Sie sind schon jetzt die dominantesten Unternehmen der westlichen Welt -aber wie bei "Risiko" wollen sie immer mehr Bereiche erobern.

Zuletzt hat Google die Videoplattform Youtube von Amazon-Geräten entfernt, weil die wiederum Google-Geräte nicht verkauft hat. Ähnliche Streitigkeiten gab es auch zwischen Google und Apple. Was nach Kindergarten klingt, ist gar nicht so lustig - denn der Schritt zeigt, zu welchen Mitteln die GAFAs bereit sind, um ihre Macht zu sichern.

Ihr Einfluss ist schon heute besorgniserregend. Apple und Google dominieren mit ihren Betriebssystemen den Kundenzugang bei Smartphones und entscheiden damit faktisch, welche Produkte auf den Geräten Erfolg haben. Amazon und Facebook versuchten vor einiger Zeit mit eigenen Produkten, diese Dominanz zu durchbrechen - und scheiterten. Gleichzeitig beeinflusst Google dank des dominanten Marktanteils seiner Suchmaschine, welche Informationen die Menschen zu Gesicht bekommen - genauso wie Facebook als größtes soziales Netzwerk. Amazon wiederum dominiert als weltgrößter Online-Händler den Kundenzugang beim Produktverkauf - und installiert gerade mit dem Sprachassistenten Alexa ein neues Tor zum Internet.

Kleinere Unternehmen müssen permanent Angst haben, von den GAFAs ausgebootet zu werden. Viel zu leichtfertig haben sich Politik und Wirtschaft den vier Großen ausgeliefert. Wie schwer es ist, deren Macht nun wieder zu beschneiden, zeigt der langwierige Kampf der EU-Kommission.

Umso wichtiger ist es, dass wir nach dem Smartphone nicht den nächsten Eingang zum Internet von den GAFA-Türstehern überwachen lassen. Jedes fünfte weltweit verkaufte Auto kommt von deutschen Marken. Hier haben Mercedes & Co. Hausrecht - und täten gut daran, diese Macht sinnvoll zu nutzen und klare Hausregeln aufzustellen.

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Quelle: RP
 
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