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Kolumne: Total Digital
Erst denken, dann klicken

Falschmeldungen: Google und Facebook haben Kampf aufgenommen
FOTO: RP
Google und Facebook haben den Kampf gegen Falschmeldungen aufgenommen - nicht immer ganz freiwillig. Doch öffentlicher Druck allein reicht nicht. Auch die Nutzer müssen ihr Verhalten ändern.

Wenn Sie die nächsten Tage auf Facebook unterwegs sind, werden Sie diese Box nicht übersehen: "Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen" ist dort zu lesen. An der prominenten Stelle, wo Facebook uns sonst Freundschaftsjubiläen und Jahrestage unter die Nase hält, geht es erstmals politisch zu. Aufklärung der Nutzer gegen Fake News. Eine Sorge treibt mich aber um: dass wir Nutzer dieses Thema nicht ernst genug nehmen.

Pünktlich zum Start der heißen Wahlkampfphase im NRW und rechtzeitig vor der Bundestagswahl blasen Facebook und Google zum Angriff gegen Falschnachrichten. Sie suchen Verbündete in den Medien, in der Wissenschaft. Sie starten und unterstützen Initiativen, und sie lassen sich das viel Geld kosten. Die Motivation ist nicht freiwillig. Der Druck durch Medien und Politik ist weltweit groß. Die deutsche Öffentlichkeit hat überdurchschnittlich dazu beigetragen.

Doch die ganzen Bemühungen sind umsonst, wenn wir nicht mitziehen. Das Bewusstsein ist schon mal da. Eine repräsentative Umfrage durch das Meinungsforschungs-Start-up Civey hat mich erstaunt: 61 Prozent der Befragten befürchten eine gezielte Beeinflussung der Bundestagswahl durch Falschnachrichten. 37 Prozent sehen die Gefahr nicht. Schaut man sich das Ergebnis nach Parteien an, wird es spannend: Unter den Grünen-Wählern gibt es mit 83 Prozent die größte Angst vor Fake News.

AfD-Wähler machen sich die wenigsten Sorgen

Die AfD-Wähler machen sich mit 36 Prozent die wenigsten Sorgen. Das Problem: Grundsätzlich ist das Bewusstsein um Fake News da, aber wir Nutzer sehen die Politik, Facebook und Google in der Pflicht. Ich bin immer wieder erschrocken, dass selbst gut gebildete Menschen Blödsinn im Netz teilen, sei es ein Kettenbrief auf WhatsApp oder ein Widerspruch gegen die AGB auf Facebook. Selbst kluge Menschen bewegen sich im Netz naiv.

Überlegen Sie also genau, bevor Sie eine Geschichte teilen, ob die realistisch ist. Ist die Quelle seriös? Berichten mehrere Medien über das Thema? Wer über eine Meldung verblüfft ist und denkt, er habe das schon immer gewusst, wird nicht selten feststellen, am Ende das Opfer einer Falschnachricht geworden zu sein. Doch selbst wenn Sie keine Fake Nachrichten teilen, werden es Ihre Freunde tun: Entfreunden oder blocken Sie nicht.

Klären Sie auf und kommentieren Sie. So ermüdend das ist: Wenn nicht alle helfen, machen wir es den Absendern der gezielten Falschnachrichten zu leicht. Die Politik, Google und Facebook machen gerade ihre Hausaufgaben. Wir auch?

Quelle: RP
 
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