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Kolumne: Total Digital
Das selbstfahrende Auto - eine andere Art von Fahrvergnügen

Kolumne: Total Digital: Das selbstfahrende Auto - eine andere Art von Fahrvergnügen
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Seattle. Das selbstfahrende Auto rollt an: Tech-Konzerne, Automobilhersteller und Fahrtenvermittler arbeiten an einer Zukunft ohne Fahrer - aber nicht unbedingt ohne Fahrspaß. Von Ulrike Langer

Das musste ja irgendwann passieren. Vor einigen Wochen ist eines von Googles selbstfahrenden Autos in Kalifornien mit einem Bus zusammengestoßen. In sehr gemächlichem Tempo, niemand kam zu Schaden. Doch Kritikern des Projekts gibt der Unfall Aufwind. Die Technik sei nicht sicher genug und die Konzerne bekämen über unsere Autos noch mehr Daten von uns als bisher schon.

Was auch mitschwingt, ist die Sorge vor einem verminderten "Fahrvergnügen" (das deutsche Wort ist seit einer 25 Jahre alten VW-Werbung auch in den USA ein Begriff). Wer kann sich denn noch mit Wonne in die Kurve legen oder mit 180 Sachen über die Autobahn brettern, wenn sich die intelligente Fahrtechnik für Tempo 100 und einen ausreichenden Abstand zum Vordermann entscheidet? Doch das autonome Fahren wird kommen - zumindest als Alternative im Nahverkehr auf festen, getesteten Strecken. Viele Konzerne neben Google arbeiten daran, unter anderem auch General Motors, BMW, Tesla, Apple und die Fahrtenvermittler Uber und Lyft.

Google behauptet, dass seine selbstfahrenden Autos sicherer seien als Fahrer, die mit ihren Handys hantieren, anstatt sich auf das Fahren zu konzentrieren. Nach einer Statistik der US-Verkehrsbehörde gab es im Jahr 2014 rund 33.000 Verkehrstote auf amerikanischen Straßen. Bei 94 Prozent der Unfälle gilt menschliches Versagen als Ursache. Und laut einer Analyse der Unternehmensberatung KPMG wird in den USA bis zum Jahr 2040 die Zahl der Unfälle um 80 Prozent sinken. Hauptgrund: Autos ohne Fahrer.

Noch zu früh für Regelbetrieb

Von der Hand zu weisen ist Googles Sicherheitsargument also nicht, auch wenn (Beinahe-)Unfälle und lustige Begegnungen mit selbstfahrenden Autos heute noch zu häufig sind, um den Regelbetrieb zu riskieren. Googles Heimatstaat Kalifornien hat autonomes Fahren sogar mit so strengen Auflagen belegt, dass der Konzern Tests zunehmend in anderen Regionen durchführt.

Auch bei mir in Seattle fährt in ein mit Kameras und Sensoren ausgerüsteter weißer Lexus RX 450h SUV von Google systematisch alle Straßen ab, um Daten für Karten zu sammeln. Die Sensoren erkennen Bordsteine und andere Hindernisse aus einer Entfernung von 200 Metern.

Vielleicht funktioniert dieser Ansatz in den USA besser als im eher Technologie-skeptischen Deutschland. Ich würde jedenfalls gerne einmal ein selbstfahrendes Auto ausprobieren und dabei ohne Hände am Steuer im Internet surfen - eine andere Art von Fahrvergnügen.

Ulrike Langer ist Korrespondentin an der US-Westküste und Digital-Expertin .Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

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