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Kolumne: Total Digital
Mittelmaß statt Musterschüler

Düsseldorf. Die Strategie zur Förderung der digitalen Wirtschaft in NRW ist teilweise gescheitert. Es wird daher Zeit, neu zu denken - doch bislang macht die Landesregierung wenig Anstalten, einen wirklich großen Plan zu entwickeln. Von Florian Rinke

Vielleicht kennen Sie das - es gibt Feiern, auf die man keine Lust hat und die wider Erwarten richtig gut werden. Und es gibt solche, in die man große Hoffnungen setzt und auf denen man am Ende ständig auf die Uhr schaut.

Bei Digitalkonferenzen ist das nicht anders. Als das NRW-Wirtschaftsministerium 2015 die Strategie zur Förderung der digitalen Wirtschaft vorstellte, war ein Element ein "Tag der digitalen Wirtschaft". Hier sollten Gründer, Mittelstand und Industrie ins Gespräch kommen. Ziel war es, die relevanten Akteure zusammenzubringen.

Zwei Jahre und zwei Veranstaltungen später muss man leider sagen: Dieser Plan ist gescheitert. Viele Gründer, Mittelständler und auch Vertreter von Dax-Konzernen haben die Veranstaltung geschwänzt. Und selbst wer da war, wird am Ende zugeben müssen: Viel verpasst hat man nicht.

Der DWNRW-Summit, wie die Veranstaltung offiziell heißt, hat gezeigt, dass der Plan der Landesregierung für die digitale Wirtschaft in NRW dringend ein Update braucht.

Manches hat funktioniert, anderes nicht. Das ist nicht schlimm, speziell im Gründerumfeld ist Scheitern nichts Verwerfliches - solange man die richtigen Lehren daraus zieht.

Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um eine neue, erweiterte Strategie zu erarbeiten. Einen Plan, der sich nicht nur auf Selbstverständlichkeiten wie den Ausbau von schnellem Internet beschränkt, sondern über alle Ministerien hinweg Leitlinien festlegt, wo das Land hinwill. Diese Agenda muss dann allerdings auch konsequent verfolgt werden. Niemand wird in irgendetwas der Beste, wenn er sich mit faulen Kompromissen zufriedengibt.

Ein Beispiel: Ministerpräsident Armin Laschet will das Land zum Vorreiter der (sauberen) E-Mobilität machen, setzt sich aber gleichzeitig für eine Zukunft der (schmutzigen) Braunkohle ein. So wird man Vorreiter in gar nichts. Was also sind die großen Zukunftsthemen? Der vernetzte Verkehr? Die Digitalisierung der Gesundheit? Und was muss getan werden, damit NRW bei diesen Mega-Themen zum europaweiten Spitzenreiter wird?

Es gibt viele Themen, die muss die Wirtschaft selber lösen - für die anderen braucht es die Politik. Der digitale Beirat, der für die ehemalige Landesregierung die erste Digitalstrategie entwickelt hat, hat dies auf Basis der Bedürfnisse der Szene getan. Wo ist die Dialogplattform, die den Plan nun weiterentwickelt?

Um Spitzenreiter zu werden, muss sich das Land fokussieren. Das heißt: Ja zu guten Konzepten, nein zu miesen Partys.

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Quelle: RP
 
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