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Kolumne: Total Digital
Wrong!

Düsseldorf. Nicht Algorithmen, die Meinung von Wählern beeinflussen, sind das Problem in diesem US-Wahlkampf, sondern die Hilflosigkeit der Mainstream-Medien, die auf das Phänomen Trump keine Antwort haben. Von Daniel Fiene

Seit Wochen ist meine Facebook-Timeline voll von Trump-Videos, verbunden mit Kommentaren von Bekannten, wie man nur ernsthaft erwägen könne, so eine Person in das Amt des US-Präsidenten zu wählen. Zum Finale des US-Wahlkampfs beschäftigt mich vor allen Dingen die Hilflosigkeit gegenüber dem Phänomen Trump.

"Wrong!", "Falsch!" - so lassen sich die drei TV-Debatten zwischen Clinton und Trump zusammenfassen. Mit diesem simplen Wort reagierte Trump auf Clintons Konfrontationen mit alten und fehlerhaften Aussagen. Es spielt keine Rolle mehr, was wahr ist und was Trump mal gesagt oder behauptet hat. Es scheint, als ob ihn jedes "Wrong!" stärker macht und er noch ein weiteres Ausrufezeichen gegen das politische System setzt. Anti-Haltung statt Fakten. Viele denken insgeheim, dass am Ende die Vernunft siegt. Doch ich bin mir da nicht mehr so sicher.

In meiner wöchentlichen Radiosendung bei DRadioWissen habe ich mit Politbloggern aus Berlin, mit deutschen Journalisten, die in den USA leben, diskutiert, welche Rolle Soziale Netzwerke bei der Meinungsbildung in diesem Wahlkampf spielen. Wir in Deutschland machen uns Sorgen um den Einsatz von Social-Bots. Das sind Algorithmen, die bei Facebook und Twitter Unterstützung für einen Kandidaten simulieren. Lässt sich so der öffentliche Diskurs manipulieren? Überraschenderweise waren sich alle Gesprächspartner einig: Diese Sorgen spielen in den USA keine Rolle.

Ein anderes Problem treibt die Amerikaner um: Medien werden nicht mehr zur Aufklärung, sondern zur Selbstbestätigung genutzt. Lesen Sie sich die Kommentarspalten der "New York Times" durch. Wenn der zwanzigste Anti-Trump-Text erscheint, dann stimmen die Kommentatoren zwar zu, ergänzen aber: "Warum druckt ihr das? Die republikanischen Wähler lesen längst nicht mehr die "New York Times". Sie haben ihre eigenen Medien." Selbst der konservative TV-Kanal Fox News gilt als nicht Trump-freundlich genug. Wenn Trump Kritiker mit einem "Wrong!" abschmettert, übernehmen ultrarechte Talkshow-Master das Deuten und bekommen dafür Beifall. Die restlichen Medien haben kein Rezept, wie sie auf Trump reagieren sollen.

Vor einer Woche sahen Umfragen Hillary Clinton noch mit 75 Prozent in Führung, jetzt sind es noch 64 Prozent. Die Wahlnacht wird spannender, als in den vergangenen Wochen erwartet. Egal wie die Wahl ausgeht, wir brauchen danach eine Mediendebatte darüber, wie Nutzer auch außerhalb ihrer Meinungssilos erreicht werden können. Denn damit steht und fällt der gesellschaftliche Diskurs.

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Quelle: RP
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