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Kolumne: Total Digital
Wer ist der König des Internets?

Apple, Google, Facebook oder Amazon - die Antwort ist gar nicht so einfach. Denn wahrscheinlich wird das Rennen um die Vorherrschaft im Internet weder auf dem Hardware-Markt noch auf dem Software-Markt entschieden. Von Ulrike Langer

Eine häufige Frage in der Welt der Technologie lautet: Welcher Konzern wird in Zukunft das Internet beherrschen? Das ist nicht leicht zu beantworten, denn es gibt mindestens ein halbes Dutzend Anwärter für den Thron: Apple sahnt die höchsten Gewinne ab auf dem Markt der mobilen persönlichen Computer wie Smartphone (iPhone), Tablet (iPad) und intelligente Uhren (Apple Watch). Mit einem Gewinn von 40 Milliarden Dollar war Apple 2014 das profitabelste Unternehmen der Welt und hat genug Geld in der Kasse, um weitere Erfolgsprodukte auf den Markt zu bringen.

Doch ist nicht Software viel entscheidender? Hier hatte Microsoft mit seinem Desktop-Betriebssystem Windows jahrzehntelang einen Vorsprung. Doch die Zukunft wird auf dem mobilen Markt entschieden, und dort ist Microsoft abgehängt. Der MP3-Player Zune war ein totaler Flop und hat den deutschen Markt gar nicht erst erreicht. Die Windows-Phone- und -Tablet-Reihen bleiben bei den Verkäufen weit hinter den Erwartungen zurück. Und bei den Uhren schwimmt Microsoft mit seinem Band wirtschaftlich nur in der Masse mit.

Doch wahrscheinlich wird ja das Rennen um die Vorherrschaft im Internet weniger auf dem Hardware-Markt mit den Endgeräten noch auf dem Software-Markt entschieden, sondern im Internet selbst? Auch hier müssen wir unterscheiden: Weder Amazon noch Ebay, sondern der chinesische Anbieter Alibaba dominiert mittlerweile den Online-Versandhandel. Doch Amazon liegt beim Zukunftsmarkt Cloud-Speicher weit vorne. Mit seinem Angebot, Daten in der Wolke anstatt auf eigenen Servern zu speichern, verdient Amazon vor allem bei Firmen, ohne dass Endnutzer davon etwas mitbekommen.

Und was ist mit Google und Facebook? Dies sind die Kandidaten, die den Werbemarkt im Internet nahezu alleine abschöpfen. Google verdiente jahrelang prächtig mit den Werbeeinblendungen in seinen Suchergebnissen. Und in den meisten Ländern ist Google die dominierende Suchmaschine. Doch Facebook wächst schneller auf dem mobilen Markt. Schon heute sind mehr Menschen auf Smartphones als auf PCs im Internet unterwegs. Und Facebook hat es besser als Google verstanden, die Beziehungen der Nutzer für Werbung auszunutzen. Doch immer wenn Experten glaubten, ein Konzern habe durch Dominanz auf einem neuen Markt die Weltherrschaft nun errungen, tun sich neue Märkte auf. Deshalb ist meine Prognose zum König des Internet: Er bleibt weiterhin ungekrönt.

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Quelle: RP
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