Nichtraucherschutz: Kommt bald ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit?
zuletzt aktualisiert: 17.02.2006 - 14:46Berlin (rpo). Auch deutsche Politiker fordern angesichts europaweiter öffentlicher Rauchverbote mehr Schutz für Nichtraucher. Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte, ist für ein Rauchverbot in Gaststätten, da er nicht an eine Selbstregulierung glaube. Auch andere Parteien mit Ausnahme der FDP befürworten Rauchverbote in der Öffentlichkeit.
Lauterbach forderte in der "Berliner Zeitung", die Tabak-Werbung in Deutschland zu verbieten. Feinschnitt und Zigaretten-Sticks müssten genauso hoch besteuert werden wie normale Zigaretten, außerdem sollten die Schachteln künftig abschreckende Fotos über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens tragen. "Wir haben zu wenig Kinder, aber unsere Kinder rauchen besonders viel und besonders früh", sagte der SPD-Politiker. "Sie werden zum großen Teil in der Mitte ihres Lebens unter chronischen Krankheiten leiden und sollen dann trotzdem bis 67 arbeiten."
Die Drogenbeauftragte der Unionsfraktion, Maria Eichhorn, plädierte dafür, den Erfolg der Selbstregulierung der Gastwirtschaft abzuwarten. "Wenn es mit der Selbstbeschränkung aber nicht klappt, muss der Nichtraucherschutz durch Gesetze und Verbote gewährleistet werden", sagte die CSU-Politikerin. Auch die Grünen-Politikerin Ulrike Höfken sprach sich für Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden aus.
Dagegen lehnte der Drogenexperte der FDP, Detlef Parr, Gesetze zum Nichtraucherschutz strikt ab. Es gebe gute Erfahrungen mit freiwilligen Vereinbarungen, betonte er. Die Tabaklobby nehme ihre Rolle ernst und leiste viel bei der Aufklärung.
Lauterbach kritisierte dagegen den Einfluss dieser Interessengruppe: "In Deutschland ist der Einfluss der Tabaklobby auf die Politik sehr groß. Das gilt für alle Parteien." Denn die Tabakkonzerne gäben großzügig Spenden an die Parteien. Während der Sitzungswochen in Berlin richteten sie parlamentarische Abende aus, um direkten Kontakt zu den Abgeordneten aufzunehmen, sagte Lauterbach. Und wer in seinem Wahlkreis eine Zigarettenfirma oder große Tabakbauern habe, könne sich über mangelnde Unterstützung ohnehin selten beklagen.
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