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Nach Bombenfunden
Kommt jetzt die Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen?

Dortmund (rpo). Die Bundesregierung prüft offenbar schon seit längerem, ob in Zukunft Eisenbahnzüge per Video überwacht werden sollen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble soll dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben haben. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union Wolfgang Bosbach macht sich für mehr Überwachung auf Bahnhöfen stark.

Von Schäubles angeblichen Plänen berichteten die Dortmunder "Ruhr Nachrichten" unter Berufung auf Koalitionskreise. Darüber werde auch mit Vertretern der Deutschen Bahn beraten. Die Prüfung laufe bereits seit längerem und stehe nicht in Zusammenhang mit den jüngsten Bombenfunden bei der Bahn in Dortmund und Koblenz.

Wegen dieser Bombenfunde hat jetzt allerdings der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Wolfgang Bosbach, eine bessere Videoüberwachung von Bahnhöfen gefordert. Ebenfalls in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" sprach er sich außerdem für eine stärkere Präsenz von Sicherheitskräften in Bahnhöfen aus. Allein der Einsatz von Videotechnik sei nicht ausreichend, sagte er. Bei Gefahr im Verzug müsse man sofort zugreifen können.

Eine lückenlose Kontrolle der Reisenden und des Gepäcks wie im Luftverkehr, wie sie CSU-Innenexperte Norbert Geis gefordert hatte, hält Bosbach dagegen für "praktisch undurchführbar". Bei allen Sicherheitsüberlegungen müsse daran gedacht werden, dass die Maßnahmen praxistauglich und verhältnismäßig seien. So befördere die Deutsche Bahn in nur drei Tagen so viele Passagiere wie die Lufthansa in einem Jahr. In 30.000 Zügen reisten täglich 4,3 Millionen Menschen, sagte Bosbach.

Der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo plädierte in der Zeitung "Die Welt" dafür, die Videoüberwachung und -aufzeichnung auch auf Züge auszuweiten. "Auch in Straßenbahnen und U-Bahnen ist eine Videoüberwachung auf alle Fälle zu überlegen", wird der CDU-Politiker zitiert.

Buttolo schlug vor, eine so genannte Sicherheitswacht in den Zügen der Bahn einzusetzen, die in enger Zusammenarbeit mit der Bundespolizei beispielsweise auf herrenlose Koffer und Taschen achten könne. Die Sicherheitsleute sollten auch die Berechtigung haben, verdächtige Personen bis zum Eintreffen der Bundespolizei festzuhalten oder "die Identität einer Person festzustellen, von der eine Gefahr oder Störung ausgeht", sagte er.

(ap)
 
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