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Neues Material: Kongo - Probe für die Bundeswehr

VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 17.05.2006 - 21:02

Düsseldorf (RP). Die deutschen Streitkräfte haben vor der Afrika-Mission den Umbau zur weltweit operationsfähigen Armee bewältigt. Die Ausrüstung wurde angepasst, die Marine erhält neue Schiffe, das Heer einen neuen Schützenpanzer. Eng eingebunden ist die deutsche Wirtschaft.

Bonn In der „KaKü“ gibt es für die deutschen Soldaten in Afghanistan Essen à la carte wie im Restaurant in der Heimat - Abkürzungsfimmel muss wohl traditionell sein beim Militär. Die mobile „Kantinen-Küche im Container“ der Firma Kärcher Futuretech ist ein Beispiel der neuen Ausrüstung für die Bundeswehr. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik in Bonn wurde deutlich, dass die deutschen Streitkräfte inzwischen auch materiell für den globalen Einsatz gerüstet sind.

An vorderster Front ist die deutsche Wirtschaft dabei. Sie liefert Wasserreinigungsanlagen, Kühlsysteme und den CFL 60, nicht etwa ein neues Kampfflugzeug, sondern eine kompakte Feldwäscherei im Container. Carsten Leopold, Geschäftsführer der Bremer CHS, berichtete, wie sein Unternehmen in China in Rekordzeit 20 Spezialcontainer für die Marine in Dschibuti bauen ließ, um Büros und Unterkünfte für die Soldaten auf einem Versorgungsschiff möglich zu machen. Denn eine Basis auf See ist weit weniger durch Anschläge gefährdet als an Land.

Schutz für Zivilpersonal

Ingenieure, Monteure und Servicetechniker arbeiten Seite an Seite mit den Einsatzkräften. „Zivilpersonal muss den gleichen Schutz haben wie die Soldaten und rechtzeitig evakuiert werden“, forderte deshalb Kay Habermaier von Kärcher. „Hier ist dringender Handlungsbedarf, schon mit Blick auf die Familien“, stellte auch Leopold fest. „Zivile Mitarbeiter müssen eine Art von Kombattanten-Status erhalten und versichert sein wie Soldaten.“ Wegen der dänischen Islam-Karikaturen sei es für seine Angestellten in Afghanistan besonders gefährlich geworden, sagte Habermaier. Offiziere bei der Jahrestagung berichteten, dass Firmen plötzlich wegen der Bedrohung Wartungskräfte aus Kabul abzogen hätten und dadurch Anlagen ausfielen. Verträge hätten nicht geholfen: „Wird es kritisch, gilt es rechtlich als sittenwidrig, Zivilpersonal vor Ort festzuhalten.“

Vor dem Kongo-Einsatz der Bundeswehr im Sommer war die Tagung zum Thema „Die Bundeswehr im Einsatz“ von hoher Aktualität. Die Entsendung von 500 Soldaten in das afrikanische Land sei ein Versuch, „mit einer Wasserpistole einen Flächenbrand zu löschen“, spottete ein Tagungsteilnehmer. Offiziell war die Kongo-Mission kein Thema. „Das ist allein Sache der politischen Führung“, betonte Generalmajor Rainer Glatz vom Einsatzführungskommando in Potsdam. Das steuert die zurzeit 7315 deutschen Soldaten an den zehn Einsatzorten vom Sudan bis Usbekistan. Rund 34000 der insgesamt 246.000 Soldaten seien durch die weltweiten Einsätze gebunden - für die Truppe eine erhebliche Belastung.

Politische Kritik am Anti-Terror-Einsatz am Horn von Afrika, dem bisher längsten Einsatz in der Geschichte der Flotte, wies Konteradmiral Gottfried Hoch energisch zurück. „Die Seewege sind sicherer geworden. Im Golf von Aden gibt es deutlich weniger Piraterie.“ An maritimen Brennpunkten wie der Straße von Hormuz im Persischen Golf, ein Nadelöhr für Tanker entlang der Grenze zum Iran, sei der Konvoischutz sichergestellt.

Mittel sind knapp

Die strategisch wichtige deutsche Basis in Dschibuti dürfe auf keinen Fall aufgegeben werden, warnte der Admiral. Die Zwölf-Seemeilen-Sperrzone vor Somalia, in der die Bundeswehr keine Schiffe kontrollieren dürfe, bleibe allerdings problematisch. Hoch kündigte an, dass mit der neuen Klasse 212A erstmals U-Boote in den Einsatz geschickt würden - ein gutes Aufklärungsmittel dank des unauffälligen Sehrohrs. U32 hat gerade einen neuen Rekord aufgestellt: Noch nie ist mit zwei Wochen Dauer ein konventionelles U-Boot so lange ununterbrochen unter Wasser gewesen.

„Der vierjährige Einsatz zehrt an der Substanz“, kritisierte der Marineoffizier. Die zwölf Fregatten würden technisch abgenutzt, „die Haushaltsmittel für Materialerhaltung sind knapp“. Auch die Menschen arbeiteten an der Grenze: Die Marine versucht teils vergeblich, die maximal 180 Auslandstage pro Mann und Jahr einzuhalten. Willkommen ist die Verstärkung durch die neuen Korvetten: Soeben wurde die „Braunschweig“ getauft - die erste von fünf, je 240 Millionen Euro kostenden Mini-Fregatten, die die zu kleinen Schnellboote ablösen. Die Marine rüstet auf: Für 271 Millionen Euro kaufte sie acht Seefernaufklärungsflugzeuge „Orion“ von den Niederländern. Am 19. April wurde die neue Fregatte „Hessen“ einsatzklar übernommen.

Zum 50-jährigen Bestehen präsentierte das Heer stolz seinen neuen Schützenpanzer. Bis 2009 werden für drei Milliarden Euro 410 „Pumas“ beschafft. Sie lösen die 2136 Panzer-Oldtimer „Marder“ ab. Der stählerne Puma kann auch fliegen: Er wurde mit Blick auf die Maße des zukünftigen Transportflugzeugs A 400 M entworfen.

Quelle: Rheinische Post

 
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